Messechef: Güte einer Ausstellung hängt auch an der Kompetenz der Besucher

SYSTEMS-Zahlen geben nichts her - aber Qualität stimmte

27.10.1989

MÜNCHEN (CW) - Die SYSTEMS ?89 ist vorbei, und die Münchener Messegesellschaft zog vorläufige Bilanz: Von 155 000 Messebesuchern aus 60 Ländern kamen laut Umfragen 61 Prozent aus kleinen und mittleren Anwenderbetrieben, über 30 Prozent vertraten Firmen der Branche.

Nach dem derzeitigen Stand der Messestatistik kamen 90 Prozent der Besucher aus der Bundesrepublik Deutschland, die restlichen zehn Prozent stammten laut Veranstalter in erster Linie aus dem benachbarten Ausland, darüber hinaus aus "Staaten, die zwischen USA einerseits und Japan andererseits" liegen.

Messegeschäftsführer Gerd vom Hövel betonte, auch eine Messe wie die SYSTEMS müsse "Mehrwertdienste" anbieten, die über die reine Produktpräsentation hinausgehen. Er hob in seiner Bilanz der SYSTEMS die "nachfragegerechte Gliederung des Angebots" und den "hohen Informationswert" der Präsentationen hervor, erntete in diesem Zusammenhang allerdings grundsätzliche Kritik:

Software-Oberflächen identifizieren sich nicht selbst, weil sie sich zu ähnlich sehen. Darum, so wurde mehrfach aus den Pressereihen angeregt, solle die Messegesellschaft dafür sorgen, daß sich jeder Aussteller in einem einheitlichen Abstract vorstellt.

Wenn an jedem Stand für den Besucher auf den ersten Blick sichtbar sei, welche Produkte für welche Zielgruppe ausgestellt werden, könne er sich leichter orientieren.

Die Veranstalter haben die Akzeptanz des Messekonzeptes quantifizieren lassen: Das Starnberger Reuther-Institut legte allen Ausstellern und einer Auswahl von etwa zwei Prozent der Messebesucher Fragebögen vor. Die Fragen an die Besucher im Hinblick auf Qualität der Messe bezogen sich auf den Informationswert.

95 Prozent der Besucher, so das Umfrageergebnis, haben gewünschte Informationen an den Ständen erhalten (Antwortmöglichkeiten: "Ja", "Teilweise", "Nein", "Noch kein Überblick"). 97 Prozent bescheinigten auf Anfrage der SYSTEMS einen positiven Informationswert (Auswahl aus "Sehr gut", "Gut", "Befriedigend", "Nicht befriedigend" und "Noch kein Urteil"). Über die genaue Verteilung der Antworten machte die Messegesellschaft keine Angaben.

Die Qualität einer Messe bemißt sich nach Ansicht von Hövels im übrigen an der Kompetenz der Besucher: Nur wenn die Exponate mit einem hohen Maß an Sachverstand beurteilt würden, könne man von einer gelungenen Messe sprechen. Die Aussteller, so der Messechef, hätten bestätigt, daß sie in dieser Hinsicht mit dem Publikum zufrieden gewesen seien.

Nach der Verabschiedung des Poststrukturgesetzes trat die Deutsche Bundespost erstmals als Wettbewerber anstatt als General-Monopolist auf. 35 000 Besucher, so der Abteilungsleiter Telekommunikation bei der Oberpostdirektion München, Erwin Seitner, hätten den Stand der Post-Telekom besucht; das Image der Post sei nach seinem Eindruck "nach wie vor gut". Die Akzeptanz der Postangebote nehme zu, wobei sich besonders der Btx-Dienst als "der große Renner" erweise: Die aktuelle Zahl der Btx-Anschlüsse in der

Bundesrepublik bezifferte Seitner mit 350 000.

4000 Besucher haben laut vom Hövel am begleitenden Kongreß- , und Seminarprogramm der Fachmesse teilgenommen; damit habe am Rande der SYSTEMS der weltweit größte EDV- und Kommunikationskongreß stattgefunden. *