Systems-Rundgang: Schnelle Shop-Lösungen gefragt

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Auf der vergangenen Systems gaben sich noch viele Anbieter von Webshop-Software ein Stelldichein. Zur diesjährigen Messe haben sich die Reihen merklich gelichtet. Einige Anbieter setzen jetzt auf E-Business-Lösungen für Großkunden. Sie konkurrieren dabei mit Herstellern von ERP-Systemen, die vermehrt E-Commerce-Zusätze für ihre Produkte feilbieten.

Eine Reihe von Webshop-Anbietern, die im letzten Jahr auf der Systems zu finden waren, sieht man diesmal nicht mehr, darunter Internolix. Andere Hersteller haben sich neu positioniert, um mit großen Firmen ins Geschäft zu kommen, die E-Business-Lösungen realisieren wollen. So ziemlich alle Anbieter haben erkannt, dass ihre Kunden keine langwierigen Projekte starten sondern ihre Systeme möglichst schnell zum Laufen bringen wollen. Die rasche und unkomplizierte Einbindung der Warenwirtschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Hier sehen sich naturgemäß die Hersteller von ERP-Software im Vorteil.

Das Versprechen, ohne großen Aufwand in kurzer Zeit E-Business-Lösungen auf die Beine zu stellen, gibt zum Beispiel Hybris GmbH (Halle B2, Stand 133/232). Auf der Messe zeigt der Hersteller aus München seine auf XML und J2EE basierende E-Commerce-Anwendung "Jakarta". Neu ist den Angaben zufolge das "Intelligent System für E-Commerce" (Isec). Dieses Tool stellt Personalisierungsfunktionen für Webshops bereit, indem es die Präferenzen des Surfers erlernt, während der über die Angebotsseiten wandert. Steuert der Online-Shopper zum Beispiel bei einer auf einer Web-Seite bei einem Produkt geradewegs die technischen Details an, bekommt er beim Anklicken des nächsten Artikels gleich das Datenblatt zu sehen. Laut Hersteller setzt dieses Verfahren keine Registrierung des Besuchers beim Webshop voraus. Isec lässt sich sowohl in Jakarta als auch in der E-Commerce-Software "Hybris Shop" verwenden.

Hybris kooperiert darüber hinaus mit dem Bezahldienstleister Pago E-Transaction Services. Dessen Modul können Jakarta-Anwender nun in ihre E-Commerce-Systeme einbinden.

Von reinen Webshops will auch die Intershop AG (Halle B3, Stand 221/320 -Partnerstand von Hewlett-Packard) aus Jena nicht mehr viel wissen. Die Software zum Aufbau von B-to-C-Geschäften im Internet liefert mittlerweile gerade noch zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Firma. Jetzt setzt das Softwarehaus ganz auf das Highend-Produkt "Enfinity". Gezeigt werden branchenspezifisch zugeschnittene Enfinity-Anwendungen für die Automobilindustrie, den Handel, Konsumgüter sowie Hightech & Enginieering. Diese vorgefertigten Pakete sollen die Realisierungszeit von E-Business-Systemen deutlich verkürzen. Firmenchef Stefan Schambach verspricht, dass 95 Prozent der Funktionen bereits vorhanden seien und nur der Rest individuell an das jeweilige IT-Umfeld des Anwenders anzupassen sei. Für gängige Geschäftsprozesse hält Enfinity so genannte Schablonen bereit.

Die in München ansässige Openshop Internet Software GmbH (Halle B2, Stand 259/358). hatte bisher Software über Partner vertrieben, will nun aber zusätzlich mit Beratung und Implementierung Geld verdienen. Auf der Messe stellt das Unternehmen seine Entwicklungsplattform "Openshop Business EE" vor. Das Produkt ist jedoch noch in der Entwicklung, so dass es sich eher um eine Vorschau handelt. Ein erstes Release will der Anbieter dann auf der CeBIT 2002 zeigen. Mit Business EE lassen sich laut Openshop individuelle E-Business-Anwendungen schreiben, wobei man Produkte und Verfahren wie J2EE, EJBs, JSPs und XML einsetzen kann, um sowohl Backend-Systeme als auch Software anderer Hersteller zu integrieren. Die Plattform arbeitet mit dem Applikationsserver "Weblogic" von Bea zusammen und enthält vorkonfigurierte Bausteine, die der Kunde an seine Bedürfnisse anpassen kann.

Bereits verfügbar ist dagegen die Version 2.5 der vor einem Jahr erschienenen auf den Markt gebrachten Softwarelösung "Business 2". Laut Hersteller bietet sie dem Anwender vorgefertigte Funktionen dafür, einen Online-Vertrieb zu realisieren. Über Konnektoren bindet Business 2 neben Datenbanken wie Oracle, Informix und DB2 auch Logistiksysteme ein. Neuerdings enthält die Plattform mit "Auction Tool" Funktionen zum Realisieren von Online-Versteigerungen. Ebenfalls enthalten sind ein Entwicklungswerkzeug für Java sowie ein Workflow-Editor namens "Floweditor". Als Zusatzprodukte gibt es "E-Markets" für den Bau von Online-Marktplätzen und "E-Procurement" für die Beschaffung via Internet. Letzteres verfügt über Schnittstellen zu Warenwirtschaftssystemen. Mit "Stores 5.5" wendet sich Openshop an Carrier und Internet-Provider, die ihren Kunden Shops vermieten wollen.

Für nicht wenige potenzielle Anwender sind solche Shop-Anwendungen schlicht zu umfangreich. Wer nur einige Webshop-Funktionen benötigt, greift vielleicht eher auf die Produkte seines ERP-Lieferanten zurück. Solche Lösungen stellt beispielsweise die Infor AG aus Friedrichsthal (Halle A1, Stand 315) vor. Für sein Softwareprodukt "Infor:COM" bietet das Unternehmen zum Beispiel die Portalsoftware "Infor:E-Business" an, die dazu dient, Funktionen der Warenwirtschaft über das Internet für Kunden, Lieferanten sowie Außendienstmitarbeiter zugänglich zu machen. Zugriffsrechte regeln dabei, was der Online-Anwender darf. Kunden könnten zum Beispiel auf diese Weise den Status eines Auftrags beziehungsweise einer Lieferung abfragen oder den Warenkatalog einsehen. "Infor:E-Procurement" gibt Anwendern Funktionen für das elektronische Beschaffungswesen dafür an die Hand, bei Serienfertigern oder Zulieferern Waren online zu ordern.

Die Systems nutzt Navision in Deutschland (Halle A2, Stand 361) aus Hamburg unter anderem dazu, den Nachfolger von "Navision Web Shop" vorzustellen. Zu den Bausteinen von "Navision Commerce Portal" gehören die Verwaltung von Online-Katalogen, Einkaufs- und Verkaufs-Management sowie Self-Service-Funktionen, über die Kunden neue Aufträge vergeben oder den Status ihrer Bestellungen abrufen können. Das "Commerce Gateway" ist für mittelständische Firmen gedacht und dient dazu, elektronische Transaktionen via Web mit Geschäftspartnern abzuwickeln.

Der Anbieter von Buchhaltungssoftware für kleine und mittelständische Firmen Sage KHK (Halle A4, Stand 355/452) führt Messebesuchern die Version 3.0 des "Webtrader" vor. Diese Shop-Software klinkt sich in die Warenwirtschaft ein und erlaubt es, bis zu 2000 Artikel online feilzubieten. Speziell seine "Office Line" hat Sage KHK den "Webcommerce" herausgebracht. Das Zusatzprodukt dient dazu, E-Business-Anwendungen zu bauen, wobei sich Daten und Geschäftslogik aus der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware übernehmen lassen.

Integrierte Web-Anwendungen hat sich auch der ERP-Anbieter Soft M Software und Beratung AG (Halle B3, Stand 259/458) aus München auf die Fahnen geschrieben. Das E-Business-Angebot umfasst ein Grundmodul, mit dem Anwender Internet-Frontends gestalten können. Über Schablonen definiert man HTML-Seiten, die zur Laufzeit erzeugt und angezeigt werden. Mit einem Integrationsmodul lassen sich Unternehmensdaten in den Web-Seiten sichtbar machen, wobei sowohl Geschäftslogik als auch die Daten im zentralen System verbleiben.