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Systems: Die Suche nach der Killerapplikation

25.10.2005

MÜNCHEN (CONMPUTERWOCHE) - Vor über 600 Teilnehmern diskutierten während der Messe Systems auf der Communication World IT- und TK-Manager über die Zukunft des Mobilfunks. Unter dem Motto "Mobile Services, Mobile Content - The Next Generation" erörterten unter anderem Spitzenmanager von Microsoft, Blackberry, Palm oder T-Mobile das Wachstumspotenzial mobiler Anwendungen. Wie diese Applikationen im Consumer-Umfeld aussehen könnten, darüber waren sich die Industrievertreter weitestgehend einig: Video und Fernsehen auf dem Handy, egal ob als Push- oder On-Demand-Service, gilt als der kommende Megatrend und soll für steigende Umsätze sorgen. Ihre erste große Bewährungsprobe sollen die neuen Dienste dabei während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland haben. Dieses Event wird allgemein als Starttermin für die Massenvermarktung der Video-Services gesehen.

Die Einigkeit in Sachen attraktiver Inhalte kann jedoch über einen anderen Punkt nicht hinwegtäuschen: Noch immer ist nicht geklärt, wie die Umsätze aus diesen Mehrwertdiensten unter den Marktbeteiligten aufgeteilt werden. Können sich etwa die Mobilfunknetzbetreiber mit ihrer Rolle als reine Transport-Provider abfinden und sich mit den Content-Anbietern auf faire Geschäftsmodelle einigen? "Im Haifischbecken Digital Media sind klare Strukturen und partnerschaftliche Reife gefordert", appellierte Clemens Joos, CEO von Benq Mobile, an die Beteiligten.

Das Eruieren entsprechender Business-Modelle ist jedoch nur ein Aspekt - auf der anderen Seite müssten die Endgeräte noch deutlich einfacher werden. "Die Smartphones haben zwar bereits die Leistung eines Pentiums-Rechners aus dem Jahr 2000, aber ihre Bedienung unterscheidet sich noch stark vom gewohnten PC-Feeling", kritisierte Pertti Johannson, President von Qualcomm Europe. Ein Punkt, den auch David Wood, einer der Gründer von Symbian, bemängelte. Zudem müssen in seinen Augen die Geräte noch offener werden, damit sie wie ein PC programmierbar sind, Daten ausgetauscht werden können und über Plattformgrenzen hinweg ein "collaborative working" möglich ist.

Eine Aufgabe, die zumindest nach dem Selbstverständnis von Suzan DelBene, Vice President Mobile Division Microsoft, ihr Konzern bereits mit Windows Mobile angegangen sei und dazu beigetragen habe, dass die Grenzen zwischen PC und Smartphone verschwinden. Und mit über 18.000 Applikationen für Windows Mobile dränge sich der Gedanken, eines neuen Geschäftsmodells im professionellen Umfeld auf. Mit Services over IP (SoIP) sollen sich etwa Geschäftsleute Applikationen auf das Handy laden. Im Gegensatz zum Consumer-Umfeld taten sich die Diskutanten dagegen schwer, für das Enterprise-Segment eine Killerapplikation zu nennen. Denn selbst die populäre mobile E-Mail-Zustellung, so Palm Vice-President Francois Bornibus, werde in der EU nur von zwei Prozent der mobilen Mitarbeiter genutzt. Letztlich, so lautete das allgemeine Credo, werde es im professionellen Umfeld keine Killerapplikation geben, sondern wie Don Morrison, COO von RIM, formulierte, eine Vielzahl von Anwendungen für spezifische Nischenmärkte.

Während die Granden der Mobil-Wirtschaft noch nach den Killerapplikationen für die heutigen UMTS-Netze suchten, forderte Joao da Silva, Direktor für Telekommunikation innerhalb der EU-Kommission, die Industrie auf, bereits heute an den Mobilfunknetzen der vierten Generation (4G-Netze) zu forschen, um Europas führende Rolle im Mobilfunk zu behaupten und auszubauen. " Dies ist umso wichtiger", so da Silva, "als in Asien sich die ganze Industrieforschung bereits heute auf Funkthemen konzentriert." Da Silva zufolge hat die EU hierzu bereits ein entsprechendes R&D Framework ins Leben gerufen und mit dem Wirless World Research Forum (WWRF) eine Plattform zur Diskussion über die Schlüsseltechnologien der 4G-Netze geschaffen. Mit ersten konkreten Ergebnissen und Handlungsempfehlungen rechnet da Silva im Jahr 2010. (hi)