Symantec-CEO: "Microsoft ist häufiger in der Presse als am Markt"

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
John Thompson, CEO von Symantec, treibt den Wandel seines Unternehmens vom reinen Produktlieferanten zum integrierten Sicherheitsdienstleister voran. Die Konkurrenz aus Redmond kann er nur müde belächeln.

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE erläuterte Thompson die Unternehmensstrategie für die kommenden Jahre: "Wir müssen uns auf Innovationen konzentrieren und uns immer schneller entwickeln – schneller als alle anderen". Acht bis zwölf Prozent Umsatzwachstum im Jahr seien im Bereich des Möglichen. Symantec wolle sich zunehmend auf die Absicherung von Online-Kommunikationskanälen und das Content-Management in Unternehmen, besonders im E-Mail-Sektor, spezialisieren. Nur durch eine effizientere Verwaltung digitaler Dokumente ließen sich letztlich auch die Sicherheitsrisiken wie Datenverlust eindämmen, so Thompson. "Ein Unternehmen muss zu jeder Zeit nachvollziehen können, wo ein bestimmtes Dokument abgespeichert ist, wer Zugriffsrechte besitzt und wie viele Duplikate einer Datei insgesamt existieren."

CEO John W. Thompson sieht Symantec für die Herausforderungen des Security-Marktes gerüstet.
CEO John W. Thompson sieht Symantec für die Herausforderungen des Security-Marktes gerüstet.
Foto: Symantec

Durch die Übernahmen von Spezialanbietern wie Veritas und Altiris sieht sich Symantec gut aufgestellt. Zwar gingen die Gewinne im zurückliegenden Fiskalquartal wegen der schwerfälligen Integration der Zukäufe zurück. Doch von Marktanteilsverlusten will Thompson nichts wissen. Dass Microsoft seine Monopolstellung bei Desktop-Betriebssystemen dazu nutzt, in das Hoheitsgebiet der Sicherheitsexperten vorzustoßen, sieht der CEO gelassen: "Microsoft ist mit Forefront häufiger in der Presse als am Markt vertreten." Die Medienberichte und das Werben aus Redmond gingen an der wirtschaftlichen Realität vorbei, meint Thompson. Unternehmen wollten plattformunabhängige Lösungen und zuverlässigen Support. Die Standardisierung von Sicherheit nach dem Motto "Für jedes Problem die gleiche Lösung" könne nicht die Zukunft sein. Das in Europa erst langsam aufkommende Outsourcing von Sicherheitsdiensten an externe Anbieter komme den unterschiedlichen Bedürfnisse der Industrie sehr viel näher. Thompsons Fazit: Solange Microsoft es nicht einmal schaffe, sein eigenes Betriebssystem ausreichend abzusichern, habe das Unternehmen im Sicherheitsmarkt nichts verloren.

Panik schüren hilft nicht weiter

Was die grundsätzliche Bedrohungslage in der IT betrifft, hält der Symantec-CEO viele digitale Attacken auf Unternehmen in der jüngsten Zeit für überbewertet. Besonders größere Datenverluste wie beispielsweise bei Pfizer oder dem Jobportal Monster hätten bei weitem nicht die Bedeutung, die ihnen zugemessen werde. Die Datenschutzgesetze in einigen US-Bundesstaaten, die zur Bekanntmachung dieser Fälle verpflichteten, verzerrten das Bild. Die meisten ihm bekannten Unternehmen verschlüsselten ihre Daten – damit seien sie für Diebe nicht verwertbar. Die einschlägigen Berichte in den Medien überzeichneten allzu oft. Dennoch sollten Anwender ihr Bewusstsein für drohende Risiken schärfen und mehr Eigenverantwortung übernehmen. In diesem Zusammenhang kritisiert Thompson besonders die Unternehmen, die keine verpflichtenden Mitarbeiterschulungen zur IT-Sicherheit anböten.