Übernahme nur noch eine Frage der Zeit?

Sybase-Chef denkt nach mühsamer Restrukturierung an den Verkauf

26.02.1999
MÜNCHEN (CW) - Nach einem insgesamt schwachen Geschäftsjahr 1998 sah Datenbankhersteller Sybase im vierten Quartal wieder Licht am Ende des Tunnels. Dennoch schließt Unternehmenschef John Chen offenbar nicht aus, die Softwareschmiede zu verkaufen.

"Sollte ich das Unternehmen verkaufen, dann nur, wenn der Marktwert auch stimmt", äußerte sich Sybase-CEO Chen während des diesjährigen Goldman Sachs Technology Symposiums in New York. Bereits seit geraumer Zeit behaupten Branchenkenner, Sybase sei aufgrund des insgesamt schwachen Geschäftsjahres 1998 zu einem potentiellen Übernahmekandidaten geworden. Noch sei nach den Worten von Chen die Zeit allerdings nicht reif.

Kurz nach Bekanntwerden der Äußerungen des Sybase-Bosses stieg die Aktie des Datenbankspezialisten um 0,91 Cent auf 9,16 Dollar. Der Gesamtwert der 81,4 Millionen kursierenden Sybase-Aktien beträgt demnach rund 745 Millionen Dollar. Chen bekräftigte im übrigen jedoch die optimistische Umsatzerwartung für das laufende Jahr. Nach den Worten des Topmanagers sei 1999 ein Profit im einstelligen Millionen-Bereich vorstellbar.

Sybase hatte im vierten Quartal 7,9 Millionen Dollar oder zehn Cent je Aktie Gewinn gemacht, der jedoch aufgrund von Restrukturierungsausgaben in ein Minus von 14,5 Millionen Dollar oder 18 Cent je Anteil umgeschlagen war. Im gesamten Geschäftsjahr 1998 hatte Sybase bei Einnahmen von 867,4 Millionen Dollar(Vorjahr: 903,9 Millionen) einen Verlust von 93,1 Millionen (1998: Verlust 55,4 Millionen) hinnehmen müssen.

Wachstumschancen sieht der Sybase-Boß in erster Linie bei Produkten für die drahtlose Kommunikation sowie bei Internet-Software. Nicht ohne Grund: Sybase war zuletzt von den Konkurrenten Oracle im High-end- und von Microsoft im Low-end-Datenbank-Bereich stark unter Druck gesetzt worden..

Einkaufstour

Mit der Übernahme der irischen Firma Data Warehouse Network (DWN) hat Sybase trotz aller Verkaufsgerüchte seine Business-Intelligence-Lösungen um branchenspezifische Applikationen erweitert. Mit DWN kommen Tools für acht vertikale Segmente unter das Dach der Datenbanker, unter anderem für Finanzdienstleister, Telekommunikation, Gesundheitswesen und Handel. Eric Miles, Chef der von Sybase gegründeten Business-Intelligence-Division, betont, daß die Warehouse-Produkte unabhängig von der Datenbank angeboten würden und auf allen gängigen relationalen Systemen laufen könnten. Die Ausdehnung auf vertikale Industriezweige sei mit der DWN-Akquisition vorerst abgeschlossen, jetzt konzentriere man sich auf die Suche nach Distributionspartnern und Value Added Resellern(VARs).