SVG - Grafiken für Business-Anwendungen

20.02.2003
Von Jochen Schäfer
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Scalable Vector Graphics (SVG) wurde Mitte Januar vom W3C in der Version 1.1 verabschiedet. Dieser Standard stellt für die Visualisierung von Geschäftsdaten eine interessante Alternative zu Macromedias „Flash“ dar. Als XML-Anwendung profitiert SVG von Co-Standards, etwa XSLT oder dem Document Object Model.

Bei Scalable Vector Graphics handelt es sich um ein XML-Format, das vom W3C für die Darstellung vektororientierter, zweidimensionaler Grafiken eingeführt wurde. Vektorgrafiken beschreiben im Gegensatz zu Rastergrafiken nicht die einzelnen Farbwerte aller Bildpunkte, sondern Linien, Polygone, Kurven und Text als Funktionen. Dadurch ist eine beliebige, verlustfreie Vergrößerung oder auch Animation möglich. Das meistverbreitete Vektor-Grafikformat im Internet ist derzeit Flash von der Firma Macromedia. SVG bietet nun als offener Standard ähnliche oder sogar darüber hinaus gehende Funktionen und damit eine ernst zu nehmende Alternative.

Eine Balanced-Scorecard-Anwendung nutzt SVG zur Visualisierung von Geschäftsdaten. Die Vektorgrafiken bieten dank Zooming und Scripting eine dynamische Benutzeroberfläche.
Eine Balanced-Scorecard-Anwendung nutzt SVG zur Visualisierung von Geschäftsdaten. Die Vektorgrafiken bieten dank Zooming und Scripting eine dynamische Benutzeroberfläche.

SVG ist XML

Was unterscheidet SVG von Flash? Obwohl SVG- und Flash-Dateien in ihrer Darstellung recht ähnlich sind, differieren sie wesentlich im Format. Als XML-Anwendung eröffnet SVG völlig neue Möglichkeiten, beispielsweise standardisierte Transformationen mit XSL Transformations (XSLT). Genauso wie beliebige XML-Daten über einfache XSL-Transformationen in SVG-Grafiken umgesetzt werden können, kann auch die SVG-Grafik selbst von XML-fähigen Anwendungen weiterverarbeitet werden. Wie jede andere XML-Datei bieten auch SVG-Grafiken gegenüber binären Formaten den Vorteil, dass jede Information mit einem beliebigen Text-Editor eingesehen und verändert werden kann.

SVG ist interaktiv

Durch Server- oder Client-seitiges Scripting mit Hilfe von Javascript können interaktive Grafiken sehr einfach realisiert werden. Einen besonderen Vorteil bietet hierbei die Tatsache, dass mit Javascript über die standardisierte Programmier-Schnittstelle Document Object Model (DOM) auf alle Elemente der SVG-Grafik zugegriffen werden kann. Web-Entwickler finden sich hier schnell zurecht. Um Netzressourcen optimal zu nutzen, können SVG-Dateien auch in komprimierter Form verteilt werden, wobei der Web-Browser automatisch die Dekomprimierung übernimmt.

Dynamische Business-Grafiken

Alle genannten Vorteile lassen den Einsatz von SVG nicht nur für attraktive Web-Oberflächen sinnvoll erscheinen, dem bisherigen Haupteinsatzbereich von Flash, sondern vor allem für den anwendungsorientierten Einsatz in Business-Lösungen. Die Basisdaten liegen in modernen E-Business-Applikationen häufig bereits in XML-Form vor oder können einfach zu XML-Dateien konvertiert werden. Mit Hilfe von SVG lassen sich diese Daten direkt visualisieren, ohne dass aufwändige Konvertierungen und Schnittstellen-Definitionen erforderlich sind. Dabei ist etwa die mathematisch korrekte Darstellung von Werten in Diagrammen ein großer Pluspunkt, den alternative Techniken oft nicht bieten können.

Als besonders attraktiv erweisen sich auch im Business-Bereich die uneingeschränkten und verlustfreien Zoom- und Navigations-Möglichkeiten. So taugt SVG als interaktives, vektororientiertes Grafikformat beispielsweise für die Visualisierung von komplexen Geschäftsprozessen, wo eine einzige SVG-Grafik sowohl einen Gesamtüberblick als auch eine individuelle Detailansicht bieten kann.

Inhalt dieses Artikels