Web

 

Suse empört sich über Microsofts Linux-Kritik

11.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ziemlich sauer ist der Nürnberger Linux-Distributor Suse Linux AG über ein an Händler gerichtetes Anti-Linux-Thesenpapier, das Microsoft Deutschland bis gestern auf seiner Website verbreitet hatte. "Wie die Hufschmiede, die versuchen, den Siegeszug des Automobils aufzuhalten", kommentiert Suse-Chef Roland Dyroff.

Microsoft hatte in seinem White Paper "Linux im Handel" in der Tat einige reichlich hanebüchene Thesen vertreten. Unter anderem behauptete der Windows-Hersteller, der Einsatz des quelloffenen Unix sei keineswegs kostenfrei, Gerätetreiber seien "nur vereinzelt verfügbar", Linux-Support koste generell Geld und sei oft an Bedingungen geknüpft, es gebe mit 188 praktisch unzählige Installationsversionen, es gebe nur wenig gängige oder unternehmensweit einsetzbare Softwarepakete, Entwicklungsprogramme fehlten ebenso wie Forschungsaktivitäten und Standards, und Linux sei aufgrund seiner Quelloffenheit prinzipiell unsicher.

Suse gibt in einer Pressemitteilung allen Punkten ordentlich kontra. Linux könne wie auch viele Anwendungsprogramme lizenzkostenfrei genutzt werden, so die Nürnberger. Bezahlen müssten die Anwender für die Zusammenstellung und Herstellung der teilweise umfänglichen Distributionen. Gerätetreiber gebe es für Linux inzwischen fast ebenso schnell und genauso viele wie für Windows - auch bei Systemen für den Handel (eine Suche nach "Linux" und "POS" auf Google ergebe beispielsweise 16.000 Treffer). Die führenden Hersteller arbeiteten im Rahmen der Linux Standard Base (LSB) an Distributions-übergreifender Kompatibilität, und Microsofts unterschiedliche Betriebssysteme seien - auch und gerade in puncto Hardware-Treiber - alles andere als vorbildlich untereinander kompatibel. Für Linux liste Nomina zurzeit über 1400 Linux-Lösungen, darunter allen führenden Datenbanken, aber auch Middleware und selbst komplexe ERP-Lösungen.

Über 60 Prozent der Webserver weltweit liefen unter dem quelloffenen "Apache", weniger als 20 Prozent unter Microsoft "IIS". Sicherheitslecks würden bei Linux in der Regel schon während der Entwicklung entdeckt und entfernt. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfehle Unternehmen quelloffene Software. O-Ton: "Der Quellcode der Software liegt bis ins letzte Detail offen und kann damit überprüft werden. Damit wird die IT Sicherheit deutlich erhöht."

Die vollständige Erklärung von Suse - inklusive der pikanten Originalzitate aus Unterschleißheim - finden Sie hier.