Supersprache nicht empfehlenswert

04.04.1975

PADERBORN - "Es ist nicht möglich, ein bestimmtes CUU- oder Dialogsystem ohne Einschränkung zu empfehlen; alle untersuchten Systeme weisen in den zentralen Kriterien Vor- und Nachteile auf." So lautet das Fazit im Abschlußbericht des "Arbeitskreises zur Analyse und Bewertung heute verfügbarer Autoren- und Dialogsprachen", der auf Vorschlag des Sachverständigenkreises "DV im Bildungswesen" vom Paderborner Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren eingesetzt worden war.

Untersucht und verglichen wurden APL, Basic, Coursewriter III, Eder, Lektor, Lidia, Logo, Planit sowie pauschal die Gruppe der Compilersprachen. Dabei gibt es zum Teil nur einen einzigen Anwender, zum Beispiel bei Edor (GMD St. Augustin) oder Lektor (Universität Karlsruhe). Je nachdem welches Verfahren computerunterstützten Unterrichts angewendet wird, ergibt sich eine sehr unterschiedliche Systembelastung; diese Belastung kann sich allerdings völlig verschieben wenn beispielsweise von einem textintensiven Lehrprogramm zu einem Programm mit intensiver Datenmanipulation übergegangen wird. Im Einzelfall bestimmt deswegen weniger die Sprache als vielmehr die Struktur der Lehrprogramme die effektive Systembelastung und die Antwortzeiten.

Nach Feststellung des Arbeitskreises sind vor allem bei Schülern bis zum Ende der Sekundarstufe I und bei Erwachsenen mit Ausbildungsniveau bis Techniker besonders kurze Antwortzeiten erforderlich. Bei der Beurteilung der Kosten muß der Anwender außer Hardware berücksichtigen, ob die Sprache kostenlos zur Verfügung steht und vom Hersteller gewartet wird wie zum Beispiel Lidia oder Edor) und wie leicht Programme zu schreiben beziehungsweise zu beschaffen sind. Dieser Faktor - so betont der Arbeitskreis - ist wichtig, weil der Erfolg des CUU-Einsatzes direkt von der Zahl der verfügbaren Programme abhängt. Da zur Erstellung einer Dialogstunde CUU mit einem Aufwand zwischen einem und drei Mannmonaten gerechnet wird, ist überlegenswert ob in der Sprache bereits viele Programme vorhanden sind die kostenlos oder durch Tausch erworben werden können. Für eine leicht zu erlernende Sprache spricht daß interessierte Lehrkräfte damit Programme eher selbst schreiben können als mit einer schwierigen. Wesentlich ist dem Arbeitskreis, daß der Anwender vor Wahl einer Sprache zunächst festlegt was er eigentlich will - ob er beispielsweise nur die Lernzeit verkürzen oder neue didaktische Ansätze verfolgen will.

Für die künftige Förderpolitik gab der Arbeitskreis folgende Empfehlungen: "Die Entwicklung einer CUU-Supersprache sollte nicht gefördert werden; stattdessen sollte man versuchen Einsatzschwerpunkte und Vorteile der einzelnen Systeme herauszuarbeiten. Neu- und Weiterentwicklung von Systemen sollte nur gefördert werden wenn konkreter Bedarf nachgewiesen ist und die Förderung der Allgemeinheit der CUU-Anwender zugute kommt Anwendungsförderung scheint nötig in den Fällen, in denen für den Unterricht Ergebnisse aus den Gebieten Datenbanken Informationssysteme, komplexe Modellsituationen und künstliche Intelligenz übernommen werden." -py