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Sun und Microsoft legen Java-Streit bei

24.01.2001
Bittere Pille für Microsoft und seine Anwender: .NET muss ohne aktuelles Java auskommen. Für 20 Millionen Dollar erkaufte sich die Gates-Company lediglich das Recht, ihre veralteten Produkte weiter anzubieten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems und Microsoft haben sich in ihrem seit drei Jahren anhängigen Rechtsstreit in Sachen Java außergerichtlich geeinigt.

"Die Sache ist schlicht und einfach ein Sieg für unsere Lizenznehmer und die Verbraucher", frohlockt Suns Chief Executive Officer (CEO) Scott McNealy. Microsoft zahlt 20 Millionen Dollar an Sun und darf dafür in den nächsten sieben Jahren weiterhin seine bisherigen Produkte (inklusive aktueller Betas) anbieten, die auf der Java-Version 1.14 basieren. Mit diesem Schritt wolle man den Interessen der Entwickler entgegen kommen, die Microsoft-Produkte wie "Visual J++" verwenden.

Ferner wurde festgeschrieben, dass die Gates-Company dauerhaft auf die geschützte Bezeichnung "Java-kompatibel" und den Gebrauch des offiziellen Sun-Logos verzichtet. Auf diese Weise will Sun "die künftige Integrität der Java-Technik schützen". Microsofts Lizenzabkommen mit Sun von 1996 wurde im Rahmen der Übereinkunft vorzeitig beendet. Es wäre ohnehin in zwei Monate abgelaufen.

Für Microsoft-Shops ist das eine mehr als schlechte Nachricht: "Microsoft kann zwar eine veraltete Version unserer Technik verwenden, aber für .NET können sie Java nicht einsetzen", erklärte Pat Sueltz, Executive Vice President von Suns Software Systems Group, im Rahmen einer Telefonkonferenz. Die .NET-Strategie, von Microsoft als neue Plattform für Internet-Software und -Services angepriesen, sei damit nun gänzlich an das proprietäre Windows-Betriebssystem gefesselt.

Dem konnte Sanjay Partharasathy, Vice President von Microsofts Platform Strategy Group, leider nur die Marketing-Phrase "Die .NET-Plattform ist der beste Weg, um Web-Services zu entwickeln und bereitzustellen" entgegensetzen. Er versprach, den Entwicklern nach Kräften beizustehen, "welche Programmiersprache auch immer für sie am geeignetsten ist." Für Microsoft ist das natürlich "C#" ("C Sharp"), das Java in vielen Bereichen ähnelt. Allerdings dürfte es die neue Sprache trotz aller Microsoft-Marktdominanz nicht gerade leicht haben, sechs Jahre Vorsprung von Java aufzuholen. Die Sun-Programmierumgebung haben bereits mehr als 200 Unternehmen in (gültige) Lizenz genommen, mehr als 2,5 Millionen Entwickler weltweit nutzen die Plattform.

Microsofts stellvertretender Justiziar Tom Burt bemühte sich dennoch, die Entscheidung für seinen Brötchengeber als möglichst positiv hinzustellen. "Sun hat versucht, unsere Produkte als ´Geiseln´ zu nehmen und das Rechtssystem im Wettbewerb für sich zu nutzen", so der Anwalt. Die Einigung bestätige erneut - und daran habe man stets geglaubt - das Recht, unabhängig eigene Technologie zu entwickeln. Ob Microsoft nun tatsächlich eine eigene Java-Variante bastelt, sei noch nicht entscheiden. "Darüber zu befinden überlassen wir unseren Product Groups", erklärte Burt.

Microsoft-Sprecher Jim Cullinan erklärte, man habe sich außergerichtlich geeinigt, um unnötig hohe Prozesskosten zu vermeiden. "Beide Seiten haben in diesem Verfahren etwas gewonnen und verloren. Wenn es in so einer Situation eine vernünftige Lösung gibt, dann einigt man sich am besten."

Der Rechtsstreit der beiden Unternehmen geht zurück auf ein Java-Lizenzabkommen, das Microsoft 1996 unterzeichnet hatte. Im November 1997 verklagte Sun die Gates-Company wegen Vertragsbruchs, weil Microsofts für Windows und Internet Explorer "getunte" Java-Implementierung nicht kompatibel mit Suns offiziellen Standards sei. 1998 wurde diese Klage um eine weitere ergänzt, die Microsoft unlauteren Wettbewerb sowie die Verletzung von Urheberrechten vorwarf. Im gleichen Jahr erging ein Urteil, das es Microsoft per einstweiliger Verfügung temporär untersagte, weiterhin das offizielle Kaffeetassen-Logo für seine "Virtual Machine" und Entwicklungs-Tools zu verwenden.