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Sun und Intel schmieden Server-Allianz

23.01.2007
Sun hofft, mit den Prozessoren des Marktführers sein Server-Geschäft weiter zu beleben. Intel schlägt dem Herausforderer AMD ein Schnippchen.

Advanced Micro Devices (AMD) liefert künftig nicht mehr exklusiv x86-Prozessoren an Sun Microsystems. Der kalifornische Server-Spezialist wird bald auch Lowend-Server mit Xeon-Prozessoren von Intel auf den Markt bringen. Im Gegenzug will der weltweit führende Chiphersteller Suns Unix-Derivat Solaris auf der eigenen CPU-Plattform besser unterstützen. Das neue Bündnis, das sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet hatte, besiegelten Sun-CEO Jonathan Schwartz und Intel-Chef Paul Otellini in San Francisco (siehe auch: Sun öffnet sich für Intel-Prozessoren).

Abgesehen von der Ankündigung des neuen Server-Paktes waren beide Partner in ihren Aussagen wenig konkret. Schwartz stellte bis Mitte des Jahres einen Zwei-Wege-Einstiegs-Server auf Basis von Intels Xeon-Prozessoren in Aussicht. Ob Sun auch Workstations beziehungsweise Vier-Wege-Systeme mit Intel-Chips auf den Markt bringen wird, ließ der Zögling des langjährigen Sun-Bosses Scott McNealy offen.

Otellini versprach, Suns Betriebssystem Solaris neben Windows und Linux künftig als Top-Tier-Operating-System zu unterstützen. Entwickler auf beiden Seiten würden verstärkt daran arbeiten, Solaris besser an Intels Prozessorplattformen anzupassen. Damit werde das System schnell mit Intel-Technik harmonieren. Darüber hinaus wollen die Partner gemeinsam an Netz- und Virtualisierungstechniken arbeiten. Das Volumen der Kooperation werde sich in den kommenden Jahren auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen, kündigte Kirk Skaugen, Vice President in Intels Server-Group, an. Ein Problem für Linux sieht der Manager nicht. Die Anwender würden sich für das System entscheiden, das ihnen die meisten Vorteile biete.

Sun gewinnt mit Intel außerdem einen wichtigen Marketing- und Vertriebspartner. Über eine OEM-Vereinbarung will der Chiphersteller Solaris an seine Hardwarepartner vertreiben, hieß es. Außerdem sollen Softwareentwickler ihre Lösungen für die Solaris-Xeon-Plattformen optimieren. Mit dem Intel-Deal könnte der Server-Hersteller sein Standbein im immer wichtigeren x86-Geschäft stärken, meint IDC-Analyst Nathanial Martinez.

Sun hatte es lange vermieden, Konkurrenz zur hauseigenen Sparc-Chipfamilie zuzulassen. Ende 2003 schloss der Hersteller dann doch eine Kooperation mit AMD und brachte günstige x86-Systeme auf den Markt. Mit diesem Deal gelang es den Kaliforniern, im Markt für Einstiegs-Server Fuß zu fassen. Während andere Server-Anbieter wie Dell, Hewlett-Packard und IBM schon seit Jahren mit Intel und AMD zusammenarbeiten, beharrte Sun auf seiner exklusiven Partnerschaft mit dem Intel-Rivalen. Doch nachdem AMD in den letzten Monaten - auch aufgrund eines von Intel angezettelten Preiskampfes - unter Druck geriet, entschied sich Sun nun pragmatisch zur Allianz mit dem Marktführer (siehe auch: Die Pläne von Intel und AMD (Teil 1) und (Teil 2)).

Intel kann mit der Sun-Allianz den Abstand zum Verfolger AMD vergrößern. Beide Chiphersteller buhlen um die Gunst der Rechnerhersteller. Während Intel zuletzt Apple als Verbündeten gewann, triumphierte AMD mit Dell als neuer Prozessorkunde. In den zurückliegenden Quartalen war Intels Umsatz im Zuge der anhaltenden Preiskämpfe kontinuierlich zurückgegangen (siehe auch: Intel stellt sich auf dauerhaft niedrigere Profitabilität ein). Inwieweit sich die Sun-Kooperation für den Marktführer in barer Münze auszahlt, bleibt jedoch abzuwarten. Technisch hat aktuell Intel mit seinen Quad-Core-Prozessoren wieder die Nase vorn. AMDs Opteron-Variante mit vier Rechenkernen wird erst zur Jahresmitte erwartet (siehe auch: AMD zeigt erstmals den "Barcelona").

Der Intel-Konkurrent kommentierte das neue Bündnis zurückhaltend. Man werde Sun auch in Zukunft mit Prozessoren beliefern, kündigte AMD-Sprecher Phil Hughes an. Außerdem arbeite sein Unternehmen mit Sun weiter an gemeinsamen Plattformen. Schließlich bedeute der Deal unter dem Strich eine Vergrößerung des x86-Marktes. Und das sei schließlich gut für alle Teilnehmer. Analysten gehen zwar davon aus, dass sich der Konkurrenzkampf zwischen Intel und AMD verschärft. Allerdings werde AMD seine Position im Server-Geschäft halten können, meint Nathan Brookwood, Analyst von Insight 64.

Mit dem Deal begraben die Sun-Verantwortlichen ein Kriegsbeil, das Schwartz' Vorgänger McNealy oft und gern geschwungen hatte. Legendär sind dessen Kommentare über Intels Hochleistungs-CPUs aus der Itanium-Reihe. Die Sparc-Konkurrenz, die mit einiger Verspätung auf den Markt kam, verspottete der Sun-Mitgründer gerne als "Itanic" - dem Untergang geweiht. Die Reizthemen der Vergangenheit sparten die Verantwortlichen in ihrer gemeinsamen Ankündigung aus. So ist eine potenzielle Solaris-Unterstützung für Intels Itanium-Reihe bislang kein Thema unter den neuen Freunden. (ba)