Sun setzt alles auf Open Source

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Sun Microsystems schnürt mit dem "Solaris Enterprise System" ein neues quelloffenes Softwarebündel und hofft damit, gegen die Plattformen von IBM und Microsoft Boden gutmachen zu können.

Allein die Masse machts im Markt", beschreibt Sun-President Jonathan Schwartz die Hintergründe der jüngsten Open-Source-Initiative. Da künftig der überwiegende Teil des Software-Stacks frei verfügbar sei, würden mehr Kunden und Partner auf die Sun-Plattform bauen beziehungsweise Lösungen dafür entwickeln, so der Plan: "Kostenfreiheit ist das beste Argument für ein Produkt." In erster Linie gehe es Schwartz zufolge darum, die eigene Plattform im Markt zu verbreiten. "Im nächsten Schritt werden wir Services entwickeln, um Kapital daraus zu schlagen."

Hier lesen Sie...

  • welche Hoffnungen Sun in die jüngste Open-Source- Initiative setzt;

  • wie Sun damit seine Umsätze wieder ankurbeln möchte;

  • warum Sun im Softwaregeschäft bislang kaum punkten konnte.

Den Einbruch der Produktumsätze konnte der Server-Spezialist mit Serviceeinnahmen bei weitem nicht kompensieren.
Den Einbruch der Produktumsätze konnte der Server-Spezialist mit Serviceeinnahmen bei weitem nicht kompensieren.

Der jüngste Rundumschlag mit dem Solaris Enterprise System umfasst beinahe das gesamte Softwareportfolio des kalifornischen Server-Spezialisten. Dazu gehören das Betriebssystem "Solaris 10", die Datenbank "PostgreSQL", das "Java Enterprise System" (JES) inklusive Identity-Management und der mit dem Kauf von Seebeyond übernommenen Integrationssoftware, die System-Management-Lösungen der "N1"-Reihe mit Provisioning- und Grid-Funktionen sowie Entwicklungs-Tools wie "Sun Studio 11" und "Sun Java Studio Creator". Ferner stellt der Server-Spezialist künftig seine Thin-Client-Software für die "Sunray"-Systeme und den "Secure Global Desktop Service" zur freien Verfügung.

Java SE bleibt geschlossen

"Große Teile sind bereits online verfügbar", erläuterte Suns Softwarechef John Loiacono. Auch der Rest soll möglichst zügig freigegeben werden. Loiacono geht davon aus, dass dies bis zum Ende des ersten Quartals kommenden Jahres geschehen sein wird. Darüber hinaus könnten Sun-Kunden auf weitere freie Software aus dem Hause Sun hoffen. Denkbar sei beispielsweise, dass die mit der Übernahme von Storagetek erworbenen Speicher-Management-Lösungen ebenfalls Open Source gestellt werden. Ihre Java-Kernkomponenten wollen die Sun-Verantwortlichen dagegen intern kontrollieren. So ist in Sachen "Java Standard Edition" (SE) inklusive der Virtual Machine (VM) noch keine Rede von Open Source.

CDDL als Lizenz der Wahl?

Sun hat seine Software zunächst zur kostenlosen Benutzung freigegeben, stellt Gerhard Schlabschi, Leiter Produkt-Marketing der Sun Deutschland GmbH, klar. Erst mittelfristig sollen die Produkte unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden. Die Entwicklung sei mit der von Open Solaris vergleichbar. Sun habe das Betriebssystem Anfang 2006 freigegeben. Der Code wurde jedoch erst im Laufe des Jahres Stück für Stück unter eine Open-Source-Lizenz gestellt.

Welche Lizenzform das sein wird, steht noch nicht endgültig fest. Schlabschi rechnet damit, dass die eigene Open-Source-Ausprägung "Common Development and Distribution License" (CDDL) zum Zuge kommen wird. Ob Sun damit in der Open-Source-Community punkten kann, ist fraglich. Experten haben in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, Suns CDDL vertrage sich nicht mit der General Public License (GPL). Wenn jede Firma ihre eigene Open-Source-Version verfolge, bestehe die Gefahr, dass inkompatible Softwaregruppen entstünden.

Über die CDDL könnten Entwickler mit ihren Produkten Geld verdienen, verteidigt Schlabschi das Sun-Modell. Während Entwicklungen, die größtenteils auf GPL-geschützter Software basieren, wieder unter GPL freigegeben werden müssten, könnten Entwickler CDDL-Bestandteile in ihre Software integrieren, seien aber nicht gezwungen, das Endprodukt ebenfalls unter die CDDL zu stellen.

Suns Open-Source-Pläne haben sich bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet. Nach der Öffnung von Solaris gaben die Kalifornier zuletzt ihren Application Server für Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern frei. Mit Simon Phipps als Chief Open Source Officer wurde im August ein Verantwortlicher für alle Open-Source-Angelegenheiten eingesetzt. Rund 3,4 Millionen Mal sei Open Solaris seit Februar dieses Jahres aus dem Netz heruntergeladen worden, machen sich die Sun-Verantwortlichen Mut. Vom JES habe man bereits rund eine Million Lizenzen verkauft.

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