MySQL, OpenSolaris, Virtualisierung

Sun schmiedet Pläne für Cloud Computing

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Nach ersten Anläufen in Sachen Grid Computing hofft die Java-Company auf ein neues Geschäftsfeld mit der Wolken-IT.

Vor mehr als zehn Jahren prägte Sun Microsystems den Satz "The Network ist the Computer". Im Zeitalter des Cloud Computing könnte der Java-Erfinder damit eigentlich als Pionier gelten. Doch bislang halten sich die Erfolge in Grenzen. Erst kürzlich erklärte der Hersteller, seinen Service Grid Computing Utility, mit dem Unternehmen Rechenzentrumskapazität zu festen Stundensätzen buchen können, nicht mehr an Neukunden zu vertreiben. Mit der vor einigen Monaten gegründeten Cloud-Computing-Sparte will Sun das Angebot überarbeiten und eine ganze Reihe neuer IT-Dienste feilbieten.

Sun CEO Jonathan Schwartz hat mehrere Hundert Experten auf das Thema Cloud Computing angesetzt.
Sun CEO Jonathan Schwartz hat mehrere Hundert Experten auf das Thema Cloud Computing angesetzt.

CEO Jonathan Schwartz setzt große Hoffnungen in das Geschäftsfeld. Nach Sun-Angaben arbeiten bereits mehrere Hundert Ingenieure in der neuen Abteilung. Als CTO für den Bereich holte Schwartz Lew Tucker an Bord, der bei Salesforce.com die Online-Anwendungsplattform AppExchange mit aufbaute. Grid Computing Utility sei ein erster Versuch in Sachen Cloud-Computing gewesen, konzedierte Dave Douglas, Chef der Cloud-Abteilung, vor Analysten in San Francisco. "Wir haben einiges richtig gemacht, anderes nicht. Doch wir glauben immer noch, dass das Modell Sinn ergibt."

Beim Entwickeln neuer Angebote kann Sun auf eine lange Liste etablierter Techniken zurückgreifen, die eine Cloud-Infrastruktur stützen. Neben Servern und Speichersystemen, die noch immer das Kerngeschäft ausmachen, gehören dazu das Unix-Derivat Solaris, die Datenbank MySQL, die Software zur Virtualisierung xVM und das ZFS-Dateisystem. Der größte Teil von Suns Software ist Open Source. Ob sich der Server-Spezialist als Cloud-Provider gegen Schwergewichte wie Amazon.com oder IBM durchsetzen kann, hängt davon ab, wie er diese Techniken zu neuen Servicepaketen schnürt und Kunden von deren Nutzen überzeugt. An diesem Punkt blieben die Kalifornier vage. Konkrete Ankündigungen soll es erst im neuen Jahr geben. Eine denkbare Variante ist, dass Sun eine gehostete Version von MySQL für Softwareentwickler bereitstellt. Aber auch klassische Infrastrukturdienste als Ersatz für die bislang offerierten Grid-Services würden in die Strategie passen.

Sun unterteilt das Cloud-Modell in drei Schichten: Ganz oben liegen SaaS-Dienste (Software as a Service), wie sie etwa Salesforce.com mit seinen CRM-Systemen offeriert. Die mittlere Schicht bilden Entwicklungsplattformen in der Cloud, beispielsweise Google App Engine. Auf der untersten Ebene befinden sich Infrastruktur-Services nach dem Muster von Amazons Elastic Compute Cloud (EC2). Chancen sieht Sun vor allem in den beiden unteren Ebenen, wie Douglas erläuterte.