Web

 

Sun nennt Details zur Ultrasparc-Roadmap

26.06.2002
Sun steht weiterhin fest hinter seiner hauseigenen RISC-Architektur. Das Unternehmen nannte gestern Eckwerte für die zwei kommenden Generationen "Ultrasparc IV" und "V".

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - David Yen, Vice President und General Manager der Processor Products Group von Microsystems, trat gestern vor Analysten und Presse, um Details zur Zukunft der hauseigenen RISC-Architektur "Ultrasparc" zu verbreiten - eine Gratwanderung zwischen so viel Information wie nötig (um das Commitment des Unternehmens zu bestätigen) und so wenig Information wie nötig (um nicht später auf bestimmte Leistungswerte oder Feature Sets festgenagelt zu werden).

Zuvor durchgesickerte Details zu einer nicht autorisierten Roadmap (Computerwoche online berichtete) tat Yen übrigens insbesondere in Hinblick auf die darin genannten Daten als kompletten Unsinn ab. Stattdessen nannte er folgende Fakten: Der mit 900 Megahertz und 1,05 Gigahertz gegenwärtig schnellste Chip "Ultrasparc III" soll bei Texas Instruments im bisherigen 0,18-Mikrometer-Prozess noch auf 1,2 Gigahertz gebracht werden. Danach folgt ein "Ultrasparc-IV"-Pendant mit Taktraten von 1,2 bis 2 Gigahertz, das mit Strukturbreiten von 0,13 Mikrometer und verbesserter Mikroarchitektur gefertigt wird. Die Arbeiten an der vierten Generation machen laut Yen gute Fortschritte. Seine Abteilung werde die Chips rechtzeitig abliefern -

wann, das hänge allerdings von den anderen Product Groups im Unternehmen und nicht von seinem Bereich ab.

Der Ultrasparc IV wird pinkompatibel zum Ultrasparc III und sollte damit theoretisch in den "Sunfire"-Einstiegs-Servern vom Typ "V480", "V880" sowie künftigen "V1280"s und den Highend-Maschinen der Modellreihen "3800", "4800", "6800", "12K" und "15K" laufen. Die Unterstützung für die genannten Systeme hängt Yen zufolge aber nicht vom Prozessorbereich, sondern der Systemseite ab. Denkbar ist also, dass einige Maschinen die schnelleren Chips unterstützen, andere nicht. Wann das überhaupt der Fall sein werde, darüber ließ der Sun-Mann das Publikum im Dunkeln - zwar würden bereits viele Fertigungslinien auf 130 Nanometer umgestellt, aber nur weil ein Chip fertig sei, bedeute dies noch lange nicht, dass auch System- und Software-Stack entsprechend verfügbar seien.

Mittelfristig soll dann der "Ultrasparc V" alias "Millenium" in den Nachfolgern der aktuellen "Serengeti"/"Safari"-Server debütieren, die unter dem Codenamen "Eagle" gehandelt werden. Yen kündigte an, dass es sich sowohl bei den Chips als auch bei den Systemen um komplette Redesigns handeln werde - im Unix-Bereich ist eine solche Überholung bei jeder zweiten Generation durchaus branchenüblich. Yen erklärte weiter, der Millenium werde sowohl Intels "Itanium" als auch den "Power"-Prozessoren von IBM überlegen sein, weil er zwischen optimierten Modi für single- und multi-threaded Anwendungen hin- und herschalten könne.

Der Itanium und seine Compiler seien auf größtmögliche Parallelisierung und Multithreading ausgelegt; die Power-CPUs hingegen für typische Single-Thread-Applikationen wie ERP (Enterprise Resource Planning) oder OLTP (Online Transaction Processing), so Yen - eine Unterstellung, der zumindest IBM sicher widersprechen würde. Sun werde seine Prozessoren jedenfalls so designen, dass sie beide Typen gleichermaßen bedienten, versprach Yen.

Der Ultrasparc wird - weiterhin von TI - in einem 90-Nanometer-Prozess und mit Kupferleitern produziert werden (beim Ultrasparc III+ sind gegenwärtig 0,15 Mikron und ebenfalls Kupfer/Low-k aktuell, eine Verbesserung gegenüber den 180 Nanometern der ersten "Cheetah"-Chips). Er soll anfänglich mit 1,8 und später mit 3 Gigahertz und mehr takten. Gegenwärtig akzeptiere keine einzige Fab auf der ganzen Welt 90-Nanometer-Designs, erklärte Yen, und dies werde sich wohl auch bis Ende des Jahres nicht ändern. Bis dieser Prozess serienreif sei, werde noch eine lange Zeit vergehen, vermutlich einige Jahre.

Neben dem Ultrasparc III soll es auch von den Folgegeneration IV und V die bekannten "i"- und "e"-Versionen geben, um Workstations, Einstiegs- und Midrange-Server damit zu bestücken. Der integrierte "Ultrasparc IIIi" soll zwischen 1,1 und 1,6 Gigahertz takten, der "IVi" mit 1,1 und 2 Gigahertz. Für den Vi veranschlagte Yen bereits Taktfrequenzen von 1,5 bis ebenfalls über 3 Gigahertz. Im Budget-Bereich soll der "Ultrasparc IIIe" mit 900 Megahertz bis 1,1 Gigahertz takten, gefolgt von einer neuen Generation mit bislang unbekanntem Core und Geschwindigkeiten zwischen 1 und 2 Gigahertz.

Yen zufolge denkt Sun darüber nach, die i- und e-Versionen neue und eigenständigere Markennamen zu verpassen, um die Verwirrung im Markt (von Rechtschreibfehlern ganz zu schweigen) zu beenden. Wo genau die künftigen i- und e-Prozessoren zum Einsatz kommen sollen, wollte der Sun-Manager laut "Computerwire" nicht verraten. (tc)