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Sun meldet rote Zahlen und entlässt 4400

18.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems hat für das erste Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Nettofehlbetrag von 111 Millionen Dollar oder vier Cent pro Aktie ausgewiesen und angekündigt, es werde 4440 Arbeitsplätze oder elf Prozent der aktuellen Belegschaft abbauen. Analysten hatten bereits Anfang der Woche spekuliert, der kalifornische Server- und Workstationspezialist werde bis zu 8000 Jobs streichen (Computerwoche online berichtete), um seine Kostenstruktur dem geringeren Umsatz anzupassen.

Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte Sun einen Nettoverlust von 180 Millionen Dollar oder sechs Cent je Anteilschein gemeldet. Abzüglich Sonderbelastung ergibt sich für das aktuelle Vierteljahr ein Proforma-Verlust von zwei Cent pro Aktie; die Analysten hatten laut Thomson First Call hier ein Minus von vier Cent je Anteilschein erwartet. Die Quartalseinnahmen gingen im Jahresvergleich von 2,86 Milliarden Dollar um vier Prozent auf 2,75 Milliarden Dollar zurück. Sun selbst hatte hier zuletzt eine Stagnation gegenüber dem Vorjahreswert in Aussicht gestellt; die letzten Wochen des Quartals liefen aber offenbar noch einmal schlechter als erwartet. "Der für Ende September erwartete Uptick ist nicht vollständig eingetreten", konzedierte Finanzchef Steve McGowan.

Am besten verkauften sich nach Angaben des CFO (Chief Financial Officer) im abgeschlossenen Quartal die Vier- und Acht-Wege-Server. Das Servicegeschäft sei im Jahresvergleich um acht Prozent gewachsen, und mit der Bürosuite "StarOffice" habe man fünf Millionen Dollar umgesetzt und schwarze Zahlen geschrieben. Regional betrachtet fielen die Umsätze in den Vereinigten Staaten und Japan um sieben und 13 Prozent; in Europa blieben die Einnahmen stabil. In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres strebe Sun die Rückkehr in die Gewinnzone an, erklärte McGowan weiter.

Beim Abbau von Arbeitsplätzen war Sun bislang langsamer zu Werke gegangen als viele Wettbewerber. Vor rund einem Jahr hatte das Unternehmen erstmals in der Firmengeschichte in größerem Umfang Stellen gestrichen, und zwar 3900. Die jetzt angekündigten Kürzungen enthalten zuvor bereits angekündigte 1000 Entlassungen und zielen darauf, die Belegschaft von gut 39.000 zu Ende Juni auf etwa 35.000 zu verkleinern. Laut McGowan sollen die operativen Kosten dadurch um rund 100 Millionen Dollar gesenkt werden.

In den USA beginnen die Personalmaßnahmen nach Angaben des Finanzchefs im kommenden Monat; anschließend dann im Rest der Welt. "Das ist eine harte Entscheidung, aber an dieser Stelle die richtige", bedauerte Konzernchef Scott McNealy. "Ich denke, wir machen das auf vernünftige und verantwortungsvolle Weise." Im Zuge des Stellenabbaus wird Sun im zweiten Quartal rund 300 Millionen Dollar Restrukturierungskosten abschreiben. (tc)