Analyse

Sun macht Oracle zum Komplettanbieter

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die Übernahme der Java-Company verbreitert das Portfolio des Datenbankspezialisten und stärkt seine Position gegenüber den großen Rivalen IBM und Microsoft.

Einmal mehr sorgt Oracle-Chef Lawrence Ellison für einen Paukenschlag in der IT-Branche. Nachdem Experten wochenlang über die am Ende gescheiterte Übernahme von Sun durch IBM diskutiert hatten, kommt mit dem Datenbankriesen ein Käufer ins Spiel, den zuvor kaum jemand auf der Rechnung hatte. Rund 7,4 Milliarden Dollar will Ellison für Sun auf den Tisch legen. Berücksichtigt man den Barbestand und die Verbindlichkeiten der Kalifornier, summiert sich der Kaufpreis noch immer auf stolze 5,6 Milliarden Dollar.

Überraschend kommt der Deal vor allem deshalb, weil Oracle bislang fast ausschließlich Softwareprodukte anbietet, Sun hingegen einen Großteil seiner Einnahmen mit Hardware und damit verbundenen Diensten erzielt. In einer Telefonkonferenz machte Ellison indes schnell klar, wo die Motive liegen: Java sei die mit Abstand wichtigste Software, die man jemals zugekauft habe, erklärte der CEO. Oracle werde der einzige Anbieter sein, der ein vollständiges integriertes System entwickeln könne, von den Anwendungen bis hin zur nötigen Hardware. Kunden müssten sich nicht mehr um die Systemintegration kümmern und könnten so Kosten sparen.