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Sun erläutert seine xVM-Virtualisierungspläne

23.10.2007
Nach allerlei Vorgeplänkel zu Virtualisierung in Blogs und auf Messen hat Sun Microsystems gegenüber der Presse nun offiziell erklärt, was sein Hypervisor "xVM" eigentlich ist, wie er ausgeliefert werden und wann er für Kunden erhältlich sein soll.

Zunächst einmal ist xVM der Name, den Sun für seine Implementierung des quelloffenen Hypervisors "Xen" in der Open-Source-Entwicklungsversion "OpenSolaris" seines Solaris-Betriebssystems gewählt hat. Das OpenSolaris Development Release "Nevada" wird zu einem späteren Zeitpunkt als offizielle Solaris-Version erscheinen - laut Branchendienst "Computerwire" vermutlich als Solaris 11. Jedoch ist xVM noch weit mehr als nur Xen eingebettet in Solaris.

Vielmehr handelt es sich um einen Ansatz zur Virtualisierung, den Sun für eine Vielzahl von Virtualisierungstechniken für Server und Workstations sowie deren Verwaltung verwenden will. Zum Beispiel beinhaltet xVM die logischen Domains (LDoms) der Ultrasparc-T1- und -T2-Server-Linien. Dieser werden mit Sicherheit auch eine Schlüsselrolle beim kommenden Prozessor "Ultrasparc RK" (Codename "Rock") und dessen Server-Familie "Supernova" spielen, die für das zweite Halbjahr 2008 avisiert sind.

Wie viele IT-Hersteller hat Sun eine Vision vom virtualisierten Rechenzentrum.
Wie viele IT-Hersteller hat Sun eine Vision vom virtualisierten Rechenzentrum.

Sun geht bei Branding und Strategie einen ähnlichen Weg wie VMware und tauft seine Virtualisierungstechnik "xVM Infrastructure". Diese besteht wiederum aus zwei Kernkomponenten, nämlich dem "xVM Server" und der Management-Lösung "xVM Ops Center".

Der Hypervisor Xen auf x64-Hardware wird Solaris 10 (und vermutlich auch 11), Lunux und Windows als Gastbetriebssysteme unterstützen. Der LDom-Hypervisor auf Ultrasparc T1, T2 und RK kann Solaris 10 (und wohl auch 11) und Ubuntu Linux beherbergen. In beiden Fällen ist Solaris das Host-System ("Control Domain") und schließt die Gastsysteme in seine Techniken Zettabyte File System (ZFS), Dynamic Tracing (DTrace) und Fault Management Architecture (FMA) ein.

FMA ist zum Beispiel deswegen interessant, weil es fehlerhafte CPUs oder Speichermodule identifizieren und so lange isolieren kann, bis ein geeigneter Zeitpunkt gefunden ist, um die Maschine herunterzufahren und die defekte Komponente auszutauschen. Windows oder Linux können so etwas von Haus aus nicht, werden diese Fähigkeiten aber erben, wenn sie innerhalb eine von Solaris kontrollieren Xen- oder LDom-Partition laufen.

Wenn neue Hypervisor-Techniken insbesondere auf der x64-Plattform aufkommen, will Sun jeweils evaluieren, ob sie in das xVM-Schema passen und aufgenommen werden sollten. Laut Dan Roberts, Director of Solaris Marketing, will Sun sich bei der Virtualisierung keinesfalls nur auf Server beschränken; vielmehr sollen xVM-Partitionen künftig auch in Workstations und Storage-Arrays auftauchen.

Das xVM Ops Center soll die "Kommandozentrale" für die xVM-Partitionierung sein und eine konsistente Management-Methode über Xen, LDom und vermutlich auch die VPS-Technik (Virtual Private Server) "Solaris Containers" bieten. Es handelt sich um ein Web-basierendes Verwaltungs-Tool, das Sun mittels Ajax (Asynchronous JavaScript and XML) realisiert hat und das viele Anleihen bei der Systems-Management-Lösung "N1" und den "Sun Connection Services" macht.

Zu den Aufgaben, die das xVM Ops Center erledigen kann, gehören unter anderem Discovery und Inventory, Firmware-Updates, Bare-Metal-Provisioning von physikalischen und virtuellen Servern, Hypervisor-Verwaltung, Provisionierung von Anwendungen in Gast-Betriebssystemen sowie Compliance-Reports, die sicherstellen sollen, dass nur entsprechend autorisierte Personen auf diese Fähigkeiten zugreifen können. Den Provisioning-Teil übernimmt dabei der "N1 Service Provisioning Server".

Einige der xVM-Features wird Sun über OpenSolaris und das Beta-Programm "Solaris Express" anbieten. Hauptsächlich aber möchte der Hersteller xVM Server und xVM Ops Center als Standalone-Produkte mit eigenen Lizenz- und Support-Gebühren verkaufen. Sie sollen in ihren Entwicklungs- und Release-Zyklen dabei unabhängig von Solaris und Hardware sein.

Das xVM Ops Center soll im Dezember dieses Jahres allgemein verfügbar sein. Im Januar 2008 folgt dann eine Vorabversion des xVM Server. Bereits im März 2008 folgt die Ops-Center-Version 2.0, dann zusammen mit einer zweiten Preview des Servers. Im zweiten Quartal 2008 schließlich kommen voll integriert und fertig für den produktiven Einsatz xVM Ops Center 2.0 und xVM Server 1.0 - und dann wird man auch wissen, was die xVM Infrastructure kostet. (tc)