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Sun dreiteilt seinen Application Server

20.06.2002
Die Version 7 seines ONE Application Server bringt Sun in drei Versionen, von denen die kleinste kostenlos ist. Analysten befürchten indes, dass die Neuaufstellung zu spät kommt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bereits gestern berichteten wir über die Pläne von Sun Microsystems, seinen Appserver in einer kostenlosen Version anzubieten. Mittlerweile sind weitere Details bekannt, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Jonathan Schwartz: "Wir sind nicht Sun Microsoftware oder Sun Microhardware - wir sind Sun Microsystems."
Jonathan Schwartz: "Wir sind nicht Sun Microsoftware oder Sun Microhardware - wir sind Sun Microsystems."

Die neue Version 7 des "Sun ONE Application Server" kommt in insgesamt drei Varianten auf den Markt. Kostenlos ist die kleinste davon, die "Platform Edition". Diese enthält eine J2EE-1.3-kompatible (Java 2 Enterprise Edition) Server-Engine, Messaging-Software, Unterstützung für Web-Services-Standards wie SOAP und WSDL sowie eine einfach HTTP-Engine. Ein vollwertiger Web-Server muss laut Group Manager Patrick Dorsey zusätzlich angeschafft werden.

Mit dem neuen Release läuft Sun Appserver nicht nur unter Solaris 9, mit dem er standardmäßig gebundelt wird, sonder auch unter Windows NT, erstmals unter Linux (Red Hat) sowie AIX und HP-UX. Etwas verwunderlich ist allerdings, dass die Software bei ihrer Veröffentlichung im kommenden September mehr als sechs Monate Verspätung gegenüber den längst J2EE-1.3-zertifizierten Servern der Marktführer Bea und IBM aufweist. "Wir sind nicht glücklich darüber, wie lange die Zertifizierung gebraucht hat. Mit J2EE 1.2 waren wir die ersten, jetzt sind wir es nicht mehr", erklärte Marge Breya, Vice President Sun ONE. Dafür will Sun bei J2EE 1.4 wieder die Nase vorn haben.

Für echte Unternehmensanwendungen taugt die kostenlose Platform Edition (ein Supportvertrag für das Paket kostet übrigens doch Geld, nämlich knapp 800 Dollar pro Jahr) nach Meinung von Shawn Willet, Analyst bei Current Analysis, ohnehin kaum. Kunden, die Software für Monitoring und Management benötigen, müssen auf die "Standard Edition" für 2000 Dollar pro CPU aufsteigen. Die zusätzlichen Features lassen sich durch Eingabe eines Softwarecodes frei schalten.

Wer darüber hinaus auch noch mehr Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit benötigt, dem offeriert Sun schließlich die "Enterprise Edition" für 10.000 Dollar pro CPU. Diese enthält zusätzlich die von Clustra Technologies zugekaufte Cluster-Technik. Die aktuelle Version der Software lässt sich nur über maximal acht Nodes clustern, wohingegen Bea hunderte Cluster-Knoten bedienen kann. Sun ONE 7 soll hier Abhilfe schaffen und "Weblogic" in Sachen Clustering sogar hinter sich lassen. Ein Upgrade auf die Enterprise-Variante, die erst Anfang kommenden Jahres erhältlich sein wird, erfordert eine Neuinstallation von CD oder aus dem Web.

Analysten bezweifeln indes, dass Sun mit der Neuausrichtung des Produkts noch rechtzeitig kommt. "Das ist zwar die richtige Strategie, aber ein Jahr zu spät", glaubt Chris Dial von Forrester. "Letztes Jahr war der Appserver-Markt noch im Fluss. Bea saß noch nicht fest an der Spitze, und IBMs Websphere war noch kein so großartiges Produkt."

Der neu bestellte Executive Vice President der Software Group, Jonathan Schwartz, sieht Sun - auch mit der für Dezember angekündigten "ONE Developer Platform" - trotzdem auf dem richtigen Weg. "Wir wollen der führende Anbieter von Infrastruktur bleiben, auf der das Netz läuft", erklärte er. "Sind wir eine Softwarefirma? Sicher, aber wir sind nicht Sun Microsoftware. Sind wir eine Hardwarefirma? Klar, aber wir sind nicht Sun Microhardware. Wir sind Sun Microsystems." (tc)