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Sun bringt wieder ein eigenes Linux und testet Orion

29.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Sun den Vertrieb von "Sun Linux 5" im April eingestellt hat, steht der Hersteller nun wieder mit einer eigenen Version des quelloffenen Betriebssystems in den Startlöchern. Das unter den Codenamen "Mad Hatter" entwickelte System soll sich vor allem für den Einsatz auf Desktops eignen.

Mit X86-basierenden Servern will Sun nach Angaben von Jonathan Schwartz, Chef der Softwareabteilung, auch weiterhin die Distribution von Red Hat bündeln. Mad Hatter, das zurzeit im Betatest ist, enthält Anwendungssoftware wie das hauseigene Büropaket "Star Office", den Browser von Mozilla, die grafische Benutzerführung von Gnome (GNU Object Model Environment) und die Groupware "Evolution" von Ximian.

Laut Illuminata-Analyst Gordon Haff schlägt Sun mit der Trennung von Server- und Desktop-Versionen von Linux die richtige Strategie ein, da die Anforderungen an die Systeme sehr unterschiedlich seien. Mad Hatter soll spätestens im Oktober verfügbar sein. Als potenzielle Kunden nennt der Hersteller kostenbewusste Unternehmen mit vielen Mitarbeitern, die nicht auf Highend-Anwendungen angewiesen sind. Der Preis wird voraussichtlich zwischen 50 und 100 Dollar pro Arbeitsplatz und Jahr liegen. Angestrebt ist, innerhalb von drei Jahren 50 Millionen Mad-Hatter-Pakete zu verkaufen.

Das "Project Orion" geht voraussichtlich wie geplant im August in den Betatest. Unter der Bezeichnung will der Hersteller Anwendungen mit dem Betriebssystem Solaris bündeln. Laut Sun sind entsprechende Pakete spätestens im November verfügbar. Sie enthalten voraussichtlich die Komponenten "Cluster Server", "Message Queue Enterprise Edition", "Instant Messaging", "Calendar Server", "Messaging Server", "Portal Server", "Portal Remote Access Server", "Identity Server", "Directory Server", "Web Server" sowie zwei Versionen des "Sun ONE" Applikations-Servers.

Mit der Strategie habe Sun die Möglichkeit, die Marktpräsenz der einzelnen Anwendungen zu stärken, die sich einzeln nicht gut verkaufen, sagen Marktforscher wie Dana Gardner, Senior Analyst bei der Yankee Group. Sun ist allerdings nicht der einzige Hersteller, der seine Komponenten bündelt. So schnürt zum Beispiel Microsoft ein Paket aus dem Betriebssystem Windows Server 2003 sowie den Applikationen "Exchange Server", "BizTalk Server", "Commerce Server" und "SQL Server". Geplant ist außerdem die integrierte Software "Jupiter", die Funktionen von BizTalk-, Content-Management- und Commerce-Server vereinen soll. (lex)