Problem unterschiedlicher Ablaufumgebungen

Sun bemüht sich um mehr Konsistenz der Java-Plattform

23.10.1998

Die steigende Beliebtheit von Java zur Server-Programmierung weckt bei Anwendern den Wunsch, Java-Code zwischen Applikations-Servern verschiedener Hersteller austauschen zu können. Dies scheitert momentan daran, daß das Komponentenmodell Enterprise Javabeans (EJB) noch zu wenige Vorgaben bei der Standardisierung von Server-Programmen macht. Sun will deshalb kurzfristig ein Zwischen-Release der EJB-Spezifikation herausbringen, das die Portabilität von Java-Server-Komponenten verbessert. Diese Interimsvariante soll zudem bekannte Schwächen der Version 1.0 beheben. Größere Änderungen bringt aber erst die EJB-Ausführung 2.0 mit sich, die im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt werden soll. Unter anderem müssen Lizenznehmer dann sogenannte Entity Beans unterstützen, die der Persistenz von Java-Objekten dienen. Davon verspricht sich Sun eine weitere Verbesserung der Portabilität von Java auf dem Server.

Sun arbeitet an Referenzversion von EJB

Zudem wird der Hersteller voraussichtlich eine EJB-Referenzimplementierung zur Lizenznahme anbieten, so daß Anbieter von Anwendungs-Servern, TP-Monitoren und Datenbanken deren Funktionalität schneller in ihre Produkte einbauen können. Diese können zukünftig ähnlich wie bis dato am Client mittels Kompatibilitätstests feststellen, ob ihre Umsetzung konform mit der Spezifikation ist.

Die jüngste EJB-Implementierung stammt von der Smalltalk-Company Gemstone, deren Applikations-Server "Gemstone/J 2.0" zudem eine objektorientierte Datenbank beinhaltet. Sie vereinfacht die permanente Speicherung von Java-Objekten.

Ruhiger ist es mittlerweile um drohende Konsistenzprobleme der Java-Plattform bei eingebetteten Systemen geworden. Als Hewlett-Packard zeitgleich mit der diesjährigen Entwicklermesse "Javaone" ankündigte, unabhängig von Sun eine eigene Java Virtual Machine (JVM) zu programmieren, befürchteten Beobachter eine Zersplitterung von Java in mehrere Varianten.

HPs Java-Clone ist standardkonform

HP kommt nun mit der Version 2.0 dieser Ablaufumgebung auf den Markt, die Microsoft gleich zu Beginn in Lizenz genommen hatte. Sie entspricht aber weitgehend den Standards, so daß der zuständige Sun-Manager Jonathan Schwartz bereits Entwarnung gab: "Solange andere Java-Anwendungen auf dieser JVM ablaufen, ist HPs Strategie aus unserer Sicht ganz vernünftig." Die aktuelle Ausgabe von HPs Ablaufumgebung unterstützt nun auch das Abstract Windows Toolkit (AWT), so daß Anwendungen mit grafischen Oberflächen ausgeführt werden können.

Als Lizenznehmer ohne Extravaganzen präsentiert sich HP bei der Vollversion von Java: Der Druckerriese unterzeichnete bereits einen Lizenzvertrag für das Java Development Kit (JDK) 2.0 sowie den arg verspäteten "Hotspot"-Compiler. Letzterer soll Bestandteil des Java Development Kit (JDK) 1.2 sein, das Sun im November fertigstellen will.