Energie sparen

Suchen bei Google & Co erzeugen massiven CO2-Ausstoß

07.05.2009
1000 Suchanfragen im Internet erzeugen so viel Kohlendioxid wie ein gefahrener Kilometer mit dem Auto. Das ist wenig? Weltweit wurden im März 2009 rund neun Milliarden Suchanfragen getätigt.

Die Wissenschaftspublikation "New Scientist" hat berechnet, das eine einzige Suche im Internet 200 Milligramm Kohlendioxid (CO2) freisetzt. Verglichen mit der die Umwelt schädigenden Wirkung des Autofahrens errechnen die Forscher weiter, dass ein gefahrener Autokilometer gleichzusetzen ist mit 1000 Suchanfragen etwa via Google.

Stromzähler kommen schön ins Rotieren, wenn Surfer Suchmaschinen-Anfragen starten.
Stromzähler kommen schön ins Rotieren, wenn Surfer Suchmaschinen-Anfragen starten.

Comscore, ein Unternehmen, das vielfältigste Daten zum Internet sammelt, hat errechnet, dass allein im März 2009 weltweit mehr als neun Milliarden Suchanfragen im Web gestartet wurden. Dies entspricht somit neun Millionen gefahrenen Autokilometern.

"New Scientist" rechnet weiter: Danach surfen heute rund 1,5 Milliarden Menschen im Internet. Hieraus würde sich ein weltweiter Verbrauch von Energie aller Internet-Rechenzentren von summa summarum 152 Milliarden Kilowattstunden ergeben. Diese Angabe erfasst allerdings nur die Hochrechnung der Suchanfragen und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Sie berücksichtigt noch nicht die weiteren Energieeffekte, die in einem Data Center entstehen. Hierzu zählt unter anderem die erforderliche Energie für die Kühlung der Rechenzentren. Diese beträgt in vielen Fällen schon bis zu 50 Prozent des gesamten in einem Data Center anfallenden Strombedarfs. Auch Netzwerke sind heimliche Stromfresser.

Die US-Umweltbehörde hat Schätzungen angestellt, wonach im Jahr 2006 allein amerikanische Rechenzentren pro Jahr rund 61 Milliarden Kilowattstunden an Strom verbrauchen. Zum Vergleich: Dies sei seinerzeit doppelt so viel gewesen, als Großbritannien an Energie verbrauchte.

Da die Datenmengen, die über das Internet verschoben werden, drastisch wächst - verantwortlich hierfür sind unter anderem solche datenintensiven Formate wie beispielsweise Youtube-Videos -, ist mit einer Verlangsamung des Trends nicht zu rechnen.

Modelle, zwar nicht den Energiekonsum eines Data Center zu reduzieren, die in einem Rechenzentrum anfallende Abwärme aber sinnvoll zur Heizung anderer Gebäude zu nutzen, gibt es bereits. Google wiederum überlegt, ob sich Rechenzentren im Meer realisieren lassen, die das Meerwasser zur Kühlung nutzen. Gedacht wird auch daran, die Wellenbewegungen zur Stromerzeugung zu nutzen.

US-amerikanische Wissenschaftler der kalifornischen Universität Berkeley testen zudem, wie sich Datenpakete umweltverträglicher versenden lassen. Hierzu könnte man diese beispielsweise zusammenfassen und dann versenden. Der Effekt wäre, dass die Komponenten einerseits zwar kurzfristig völlig ausgelastet werden. Andererseits gäbe es aber auch Phasen, in denen ein Netzwerk in den Ruhestand versetzt und weniger Energie verbraucht. Mit diesem so genannten Load-Skewing glauben die Forscher der US-Universität 40 und bis zu 80 Prozent an Energie einsparen zu können. (jm)