Open-Source-Infrastruktur für die Cloud

Studie sieht OpenStack in Deutschland auf dem Vormarsch

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Knapp drei Viertel der deutschen Unternehmen, die sich mit Cloud Computing beschäftigen, planen den Einsatz von OpenStack oder nutzen die Open-Source-Software bereits zum Aufbau einer eigenen Cloud-Infrastruktur. Zu diesem Ergebnis kommt eine Crisp-Research-Studie im Auftrag von IBM.

Das Kasseler Marktforschungs- und Beratungshaus befragte dazu 380 Entscheider aus Unternehmen verschiedener Branchen und Größenklassen. "Deutschland ist ein Open-Source-Land", konstatieren die Studienautoren René Büst und Meike Buch von Crisp Research. Für rund 80 Prozent der deutschen Unternehmen hätten Open-Source-Technologien eine große Bedeutung und seien ein zentraler Bestandteil der eigenen Cloud-Strategie. Dabei nehme die Cloud-Akzeptanz in Deutschland weiter zu. Mehr als 85 Prozent der Unternehmen beschäftigten sich aktiv mit der IT-Wolke; gut ein Viertel setze schon heute Cloud-Services als Teil ihrer IT-Strategie ein.

Deutsche Unternehmen schätzen die Offenheit von OpenStack und erhoffen sich Effizienzverbesserungen durch die Open-Source-Software.
Deutsche Unternehmen schätzen die Offenheit von OpenStack und erhoffen sich Effizienzverbesserungen durch die Open-Source-Software.
Foto: Crisp Research

Vor diesem Hintergrund spiele OpenStack eine immer wichtigere Rolle, so die Analysten. Innerhalb von sechs Jahren habe sich eine weltweite Community etabliert, die 55.076 Mitglieder in mehr als 182 Ländern umfasse. Im April gab die Open-Source-Gemeinde mit Mitaka das dreizehnte Release frei. Die Version 14 steht unter dem Namen "Newton" in den Startlöchern und soll im Oktober 2016 verfügbar sein.

Umfrage zu CRM in der Cloud

Die Popularität von OpenStack erklärt Crisp Research unter anderem mit der wachsenden Verbreitung von hybriden und Multi-Cloud-Umgebungen. In diesem Kontext sähen viele Unternehmen die quelloffene Software als Alternative zu "proprietären Cloud-Lösungen". Zum Erfolg von OpenStack hätten zudem finanzstarke Sponsoren der Community beigetragen, darunter Rackspace (Gründer), AT&T, IBM, Intel, Red Hat und SUSE.

Deutsche OpenStack-User: Volkswagen, Metro, Galeria Kaufhof

Neben prominenten Nutzern wie Paypal, Walmart, Disney oder Paypal gibt es mittlerweile auch in Deutschland etliche große Anwenderunternehmen, die das Open-Source-Paket einsetzen. Dazu gehören etwa Galeria Kaufhof, die Metro AG oder Volkswagen. Galeria Kaufhof verfolgt laut Crisp Research ein OpenStack-as-a-Service-Modell, um seinen Webshop zu betreiben. Der zur Metro Group gehörende IT-Dienstleister Metro Systems baue eine OpenStack-basierte Private Cloud, die über mehrere eigene Rechenzentren verteilt betrieben werde. In einem hybriden beziehungsweise Multi-Cloud-Szenario lasse sich die Private Cloud mit weiteren OpenStack-Clouds integrieren. Volkswagen wiederum werde in Zukunft alle neuartigen (Cloud-nativen) Anwendungen auf OpenStack betreiben, berichten die Analysten weiter. Der Automobilkonzern wolle die Open-Source-Software unter anderem für den Betrieb seiner Webseiten, den Car-Konfigurator sowie für 3D-Rendering und und BI / Analytics einsetzen.

Komplexität bleibt ein Problem für OpenStack

Trotz des insgesamt sehr positiven Bilds, das die Studie zeichnet, kommen auch die Bedenken bezüglich eines OpenStack-Einsatzes zur Sprache. Hier stehen nach wie vor die technische Komplexität und der hohe Integrationsaufwand ganz oben auf der Liste. Vor diesem Hintergrund sei auch erklärbar, warum mehr als 60 Prozent der OpenStack-Nutzer rauf eine fertige Distribution zurückgreifen. "Nur knapp 40 Prozent wagen den Weg, auf Basis des Codes aus den originalen OpenStack-Repositories ihre eigene OpenStack-Umgebung aufzubauen", schreiben die Analysten.

Last, but not least sehen die Autoren OpenStack als Basis und Treiber weiterer Open-Source-Techniken in der Unternehmens-IT. Hier spielen insbesondere Container-Techniken wie Docker oder Core OS eine wachsende Rolle (siehe auch: "Docker ist reif für den Unternehmenseinsatz"). An Bedeutung gewinnen demzufolge auch Open-Source-basierte Platform-as-a-Service-Pakete wie Cloud Foundry und OpenShift sowie das relativ neue Thema Serverless Infrastructure.