Universitäten

Studie offenbart massive Mängel an deutschen Hochschulwebseiten

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Ein Großteil der Web-Angebote deutscher Hochschulen weist nicht nur große Mängel in punkto Nutzerfreundlichkeit auf, sondern verstößt sogar gegen gesetzliche Vorgaben in Sachen Barrierefreiheit – so das Ergebnis einer aktuellen Studie der +Pluswerk AG.

Insgesamt 498 Internet-Auftritte hat die unter anderem auf Hochschulportale spezialisierte +Pluswerk AG in den zurückliegenden Wochen analysiert. Demnach ist nur ein Bruchteil der geprüften Seiten nutzerfreundlich und zeitgemäß.

Viele der untersuchten Webangebote der Hochschulen wiesen hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit erhebliche Mängel auf.
Viele der untersuchten Webangebote der Hochschulen wiesen hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit erhebliche Mängel auf.
Foto: SFIO CRACHO - shutterstock.com

So lassen die Webangebote nicht nur hinsichtlich der gesetzlich erforderlichen Barrierefreiheit zu wünschen übrig, viele sind auch auf mobilen Endgeräten nahezu kaum zu nutzen. Angesichts der nach übereinstimmenden Prognosen bis 2025 deutlich sinkenden Erstsemesterzahlen, müssten sich nicht wenige Hochschulen die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit stellen, so die Studienautoren.

"Der sogenannte War for Talents wird sich in absehbarer Zeit auch auf die Hochschulen erstrecken", beschreibt Magnus Schubert, als Vorstand der +Pluswerk AG für die Durchführung der Studie verantwortlich, die Ausgangssituation. In der Tat sollen die Erstsemesterzahlen von aktuell knapp 500.000 bis zum Jahr 2025 kontinuierlich sinken - dabei schwanken die Prognosen zwischen 465.000 (Hochschulrektorenkonferenz) und weit weniger als 400.000 (Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie).

Trotz verschärftem Hochschulwettbewerb: Webseiten sind nur bedingt nutz- und auffindbar. "Umso wichtiger ist es für die Hochschulen ihre Zielgruppen mit ihren Webangeboten anzusprechen. Dass diese in erster Linie mobile Medien nutzen und zu einem nicht unwesentlichen Teil aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen auf barrierefreie Internet-Auftritte angewiesen sind, ist sicher kein Geheimnis", so Schubert weiter. Ähnliches gilt für die Auffindbarkeit der Webseiten in den gängigen Suchmaschinen, die Seitenladegeschwindigkeiten oder die Präsenz der Hochschulen in den sozialen Medien.

Magnus Schubert ist Vorstand der +Pluswerk AG.
Magnus Schubert ist Vorstand der +Pluswerk AG.
Foto: +Pluswerk AG

Veraltete Versionen öffnen Hintertüren für Hacker

Unter dem Strich ziehen die Studienautoren ein ernüchterndes Fazit der im August und September 2016 durchgeführten Analyse der Startseiten. Sogar Sicherheitsmängel wurden insgesamt 90 Hochschulen attestiert. "Der Grund hierfür ist relativ einfach", so Patrick Lobacher, Vorstandsvorsitzender der +Pluswerk AG: "Hier kommen veraltete und sicherheitskritische Versionen des Content-Management-Systems Typo 3 zum Einsatz."

Patrick Lobacher ist Vorstandsvorsitzender der +Pluswerk AG.
Patrick Lobacher ist Vorstandsvorsitzender der +Pluswerk AG.
Foto: +Pluswerk AG

Die lizenzfreie Open-Source-Lösung Typo3 erfreut sich im Hochschulumfeld großer Beliebtheit. Mehr als die Hälfte der Hochschulen hat das System auf ihren Webservern installiert. Mit insgesamt 284 Installationen ist Typo 3 einigermaßen konkurrenzlos im Hochschulbereich. Dass die Webauftritte derartige Mängel aufweisen, überrascht selbst erfahrene Experten wie Erwin Lammenett: "Es gibt eine Reihe von Tools, die vergleichsweise einfach einzurichten sind und dann Programmierqualität und Barrierearmut prüfen können. Dass mehr als die Hälfte aller Hochschulen mehr als zehn Fehler bei diesen Tests aufweisen und damit gesetzliche Vorgaben ignorieren, ist einigermaßen fahrlässig", so der Mitautor der Studie.

Dr. Erwin Lammenett ist Mitautor der der Studie.
Dr. Erwin Lammenett ist Mitautor der der Studie.
Foto: +Pluswerk AG