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Studie kritisiert Digitalisierung scharf

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und beschäftigt sich mit Rechtsurteilen, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Eher mittendrin als vorne dabei: Die Selbsteinschätzung der Befragten ist nicht besonders ambitioniert.
Eher mittendrin als vorne dabei: Die Selbsteinschätzung der Befragten ist nicht besonders ambitioniert.
Foto: BearingPoint

Der Veränderungsdruck komme in den meisten Fällen von außen, nämlich von den Kunden. "Nur 40 Prozent haben eindeutige Veränderungen durch neue Tools und Funktionalitäten in der IT ausgemacht", heißt es in der Studie. Veränderte Mitarbeiteransprüche werden nur in 10 Prozent der Firmen wahrgenommen.

Digitalisierung noch nicht das Hauptthema

"Nicht einmal jedes zwanzigste Unternehmen verfügt über eine klar definierte Umsetzungsverantwortlichkeit für das Feld Digitalisierung, z.B. einen CDO", kritisiert BearingPoint. "Stattdessen ist Digitalisierung weitgehend ein Unterthema von IT- oder Marketingfunktionen."

Als Zielmarke definieren 60 Prozent der Befragten ein Hybridmodell, bei dem agile und herkömmliche Arbeitsweisen nebeneinander existieren. "Digitalisierung ja - aber bitte nur das Nötige", kommentieren die Autoren bissig.

Kultur ganz vorne: Die Antworten auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren der Digitalisierung zeigt, dass die Unternehmen immerhin wissen, worauf es ankommt.
Kultur ganz vorne: Die Antworten auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren der Digitalisierung zeigt, dass die Unternehmen immerhin wissen, worauf es ankommt.
Foto: BearingPoint

Die internen Probleme seien zwar erkannt, aber niemand lege mit ihrer Lösung los, so BearingPoint. "Es scheint vielmehr ein Warten auf den digitalen Erlöser zu sein", so Broj und Schulz. "Dringend gesucht: Der Messias (gerne von außerhalb des Unternehmens), der mit Vision und Tatkraft der Organisation einen Ruck gibt." Tatsächlich nennen 25 Prozent der Befragten als Erfolgsfaktor die Identifizierung und Förderung visionärer Köpfe, aber nur 16 Prozent wollen insgesamt eine "Can do"-Attitüde etablieren.

5 Ratschläge von den Beratern

Die Bestandsaufnahme auf Basis der Studienergebnisse kombiniert BearingPoint mit fünf Empfehlungen zum Start der digitalen Transformation. Diese lauten:

1. Kunde, Kunde, Kunde: "Sprechen Sie mit Ihren Kunden", raten die Consultants. "Nutzen Sie Daten, Analysen und kognitive Verfahren, um neue Aspekte rund um Kundenzufriedenheit, Kundenverhalten usw. zu entdecken und für Ihr Unternehmen nutzbar zu machen."

2. Handeln wie ein Startup: Gegenüber etablierten Firmen-Tankern haben Startups den Vorteil des höheren Tempos auf ihrer Seite. Andere Firmen können das laut BearingPoint simulieren, indem sie für Neuentwicklungen eigene funktionsübergreifende Projektteams zusammenstellen, die unabhängig entscheiden können. Alternativ können auch bestehenden Teams mehr Freiräume gewährt werden.

3. Investieren wie ein Risikokapitalgeber: "Bearbeiten Sie mehrere Projekte parallel statt nacheinander", empfiehlt BearingPoint - auch wenn das gerade für Mittelständler eine personelle wie finanzielle Herausforderung bedeute. Außerdem sollten Unternehmen wie Venture-Capitalists, die oft mit anderen Finanziers zusammenarbeiten, Verbündete für gemeinsame Investitionen suchen.

4. Den "Tipping Point" zum Umdenken erreichen: Der kulturelle Wandel lässt sich nach Meinung der Autoren zum Beispiel dadurch beschleunigen, dass die Fehlerkultur verändert wird. Im Mittelpunkt sollte stehen, was aus Fehlern gelernt werden kann. Den Start dafür kann wiederum die Einrichtung eines speziellen Teams sein, dass unter anderem Feedback von Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern sammelt und analysiert.

5. IT den geschäftlichen Bedürfnissen anpassen: "Sorgen Sie dafür, dass Teile Ihrer IT-Ressourcen eindeutig innovativen IT-Lösungen zugeordnet werden, damit weder Tagesgeschäft noch Digitalisierung leiden", raten die Autoren. "Denn die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn das operative 'Business' diese Transformation treibt und die IT dabei hilft, diese mit geeigneten Methoden und Technologien umzusetzen."

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