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San Franzisko und Silicon Valley betroffen

Stromausfall mit Folgen

09.12.1998
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San Franzisko und Silicon Valley betroffen

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einer der größten Stromausfälle der US-Geschichte hat gestern mehrere Stunden lang die Gegend um San Franzisko inklusive Teile des Silicon Valley lahmgelegt. Laut Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG & E) waren mehr als 370 000 zahlende Kunden und damit rund eine Million Menschen ab kurz nach acht Uhr morgens ohne Strom. Selbst am späten Nachmittag waren immer noch 20 000 Kunden betroffen. "Ich wohne seit 30 Jahren in der Bay Area und habe so etwas noch nie erlebt", erklärte Chris Johnson, Sprecher des EVU. Ursache der Panne waren Wartungsarbeiten an einer Außenstation des Unternehmens in San Mateo, die anschließend in einer Art Domino-Effekt zahlreiche andere Betriebsstellen lahmlegte.

Die enorme Ballung von Internet-Firmen in der betroffenen Region hatte fatale Folgen für das Netz. Damit dürften auch enorme Schadenersatzforderungen von Unternehmen auflaufen, die stark vom Internet abhängen und Verdienstausfälle geltend machen. PG & E hat bereits erklärt, diese "von Fall zu Fall" behandeln zu wollen. Probleme gab es unter anderem bei den Großbanken Bank of America und Wells Fargo, bei denen sowohl Filialen als auch Geldautomaten betroffen waren. Gleichzeitig entstand ein enormes Verkehrschaos, weil Ampeln, U-Bahnen und Verkehrsleitsysteme nicht funktionierten. Mehrere Radio- und Fernsehstationen mußten ihren Sendebetrieb ebenfalls vorübergehend einstellen. In der Folge wurden bereits Befürchtungen geäußert, es könnte in gut einem Jahr als Folge von Problemen mit der Jahr-2000-Umstellung zu ähnlichen oder gar schlimmeren Ausfällen kommen.

Das Internet kam verhältnismäßig glimpflich davon. Die großen Player wie e*Trade, Charles Schwab (Online-Broker) oder Excite, Yahoo, Netscape und @home konnten allesamt auf Backup-Systeme außerhalb der Bay Area ausweichen. Die meisten großen Internet-Provider nutzten eigene Generatoren oder leiteten ebenfalls zu intakten Außenstellen weiter. Die Stanford University, an der eines der zentralen Internet-Hubs betrieben wird, konnte mit ihrer eigenen Stromversorgung sogar PG & E während des Ausfalls unterstützen.