Post vom Anwalt

Streit um WikiLeaks-Dokumente eskaliert

31.08.2011
WikiLeaks-Gründer Julian Assange und Aussteiger Daniel Domscheit-Berg überziehen sich mit Schuldvorwürfen.
Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich mit seinem früheren Sprecher überworfen.
Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich mit seinem früheren Sprecher überworfen.
Foto: Espen Moe

Ernster ist die Sorge, dass die Verbreitung unredigierter WikiLeaks-Dokumente die Sicherheit von darin genannten Personen gefährden könnte. Die Querelen um die Enthüllungsplattform WikiLeaks weiten sich aus: Wikileaks-Gründer Julian Assange warf dem Aussteiger Daniel Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie "ein gesteigertes Maß an Niedertracht" vor. Domscheit-Berg erwiderte, Assange wolle lediglich von eigenem fahrlässigen Handeln ablenken.

In dem neu aufgeflammten Streit geht es um unredigierte Originaltexte der ab Herbst 2010 veröffentlichten Berichte von US-Diplomaten in aller Welt. WikiLeaks und mehrere Medien, die mit Assange kooperieren, haben in ihren Veröffentlichungen die Namen von Informanten geschwärzt, um diese zu schützen. Nun sind aber nach Medienberichten die Originaltexte im Internet aufgetaucht, wenn auch nicht einfach zu finden.

Domscheit-Berg habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, heißt es in einem Schreiben des Berliner Anwalts von Assange, Johannes Eisenberg, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. "Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter." Das Verhalten Domscheit-Bergs sei "in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen". Konkrete juristische Schritte gegen Domscheit-Berg werden in dem Brief des Anwalts nicht angekündigt.

Daniel Domscheit-Berg konzentriert sich lieber auf seine Neugründung OpenLeaks.
Daniel Domscheit-Berg konzentriert sich lieber auf seine Neugründung OpenLeaks.
Foto: Andreas Gaufer

"Aus meiner Sicht ist das Schreiben ein klassisches Ablenkungsmanöver", erwiderte Domscheit-Berg in einer E-Mail an dpa. Im Umgang mit den Botschaftsdepeschen habe WikiLeaks nun mehrfach Fehler gemacht, zum Teil wegen "des fahrlässigen Handelns von Herrn Assange". Nun seien sie für alle verfügbar. Außerdem seien Teile der Botschaftsdepeschen "durch offizielle Vertreter von WikiLeaks weitergegeben und verkauft" worden, warf Domscheit-Berg der Enthüllungsplattform vor. Er habe nun "mit einem Journalisten meines Vertrauens" über das Problem der öffentlich verfügbaren Originaltexte gesprochen. Domscheit-Berg startete vor kurzem eine eigene Enthüllungsplattform mit dem Namen OpenLeaks und erklärte: "Ich konzentriere mich viel lieber auf den Aufbau unseres neuen Projekts."

Neun Monate nach Abschaltung der Internet-Adresse wikileaks.org ist die Enthüllungsplattform inzwischen wieder über ihre Stammadresse erreichbar. Das Projekt teilte dies am Mittwoch via Twitter mit. Anfang Dezember 2010 hatte die US-Internet-Firma everyDNS.net die zentrale Adresse entfernt, unter der WikiLeaks zuvor im Browser aufgerufen wurde. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit massiven Attacken auf die Webseite, nachdem WikiLeaks mit der Veröffentlichung von Berichten amerikanischer Diplomaten begonnen hatte. Das Aus für wikileaks.org löste damals eine breite Solidarisierungswelle aus. (dpa/tc)