"Devuan"

Streit um systemd führt zu Debian-Fork

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Debian ist Hardcore-Open-Source. Oder puristisch, wem das lieber ist. Eine besonders gestrenge Fraktion hat sich jetzt mit einem Fork abgespalten.

Vorausgegangen war ein ebenso langer wie erbitterter Streit, der um das Vorhaben entbrannt war, das Sytems-Management-Toolkit "sysvinit init" durch das ähnliche, war weniger Linux-spezifische "systemd" zu ersetzen. Aus Sicht der Fundamentalopposition dagegen hält sich systemd zu wenig an Unix-Philosophien und reflektiert das Aufkommen einer "Do-ocracy" (die Do-okraten werden primär im Lager der GNOME-Entwickler verortet), in der Bemühen mehr gilt als Qualität und die Debian Richtung Desktop steuern will.

Das offizielle Debian-Logo aus dem Jahr 1999
Das offizielle Debian-Logo aus dem Jahr 1999
Foto: Debian

Nachdem es zuletzt danach ausgesehen hatte, als ob sich die rivalisierenden Lager darauf einigen könnten, systemd optional zu machen. Offenbar ist dem aber nicht so, schließt der britische Branchendienst "The Register" aus einem Post, in dem der neue Debian-Fork "Devuan" angekündigt wird. Dessen Unterstützer bezeichnen sich selbst als "Veteran Unix Admin Collective", eine schicke neue Webseite haben sie auch schon. Ihr darauf erklärtes Ziel: Eine Distribution ohne systemd, aber auf Basis des Debian-Entwicklungs-Workflows, "frei von Bloat, so wie eine minimalistische Distro sein sollte".

Irgendwann im Frühjahr 2015 sollten Nutzer von Debian 7 demnach auf Devuan 1 umschalten können und dessen Package-Repositories nutzen. Eine entsprechende GitHub-Seite wird bereits befüllt und auch spenden kann man für das Projekt schon.

Jeff Waugh, der früher im Board der GNOME Foundation saß, watscht Devuan allerdings gnadenlos ab. "Dieses 'Kein-systemd'-Zeug ist eine dumme Prämisse für ein Publikum eine winzigen, unangenehm lauten Minderheit", sagt Waugh. Devuan werde niemals die nachhaltige Unterstützung kriegen, wie sie Debian seit mittlerweile über zehn Jahren erfahre. "Damit ein 'Fork' beziehungsweise eine Child Distributon funktioniert, muss sie ein echtes Problem lösen. 'Enthält kein systemd' ist kein echtes Problem."