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Streit um Medikamentenverkauf im Netz spitzt sich zu

15.11.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In einem Gespräch am 13. Dezember zwischen dem Gesundheitsministerium und Vertretern aus der Pharmabranche, den Krankenkassen, Verbraucherverbänden und Apothekern soll erörtert werden, unter welchen Bedingungen der in der vergangenen Woche gestoppte Handel mit Arznei im Internet wieder anlaufen könnte. Die einstweilige Verfügung des Landgerichtes Frankfurt/Main gegen die holländische Internet-Apotheke 0800DocMorris, keine Medikamente mehr an deutsche Endverbraucher auszuliefern (Computerwoche online berichtete), brachte die Diskussion ins Rollen.

Die deutschen Apotheken und Pharmahersteller befürworten ein Verbot des elektronischen Handels mit Medikamenten in Deutschland, da ihnen durch die Dumpingpreise im Internet hohe Umsatzeinbußen drohen würden. Offiziell geht es ihnen jedoch um den mangelnden Patientenschutz. Auf der anderen Seite finden sich die Krankenkassen und das Gesundheitsministerium, die in dem grenzüberschreitenden Handel eine Chance sehen, das die Kosten des Gesundheitswesens zu senken. Einen Vorteil vom Internet-Handel hätten auch chronisch kranke Patienten, da ihnen bei jedem Kauf ein erneuter Weg zu Arzt und Apotheke erspart bliebe, so ein Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherung.

Grundsätzlich sei die e-Bestellung von Medikamenten kein Problem erklärt ein Arzneimittelexperte der AOK. Man müsse sie jetzt nur für alle Beteiligten sicher und zuverlässig gestalten, wozu es einiger Gesetze und der Mithilfe der Politik bedürfe, damit rezeptpflichtige Medikamente nicht in falsche Hände gerieten.