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Streit um Internet-Apotheken

11.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Spätestens ab dem Jahr 2004 soll es auch in Deutschland offiziell möglich sein, rezeptpflichtige Medikamente über das Internet zu bestellen. Im Falle einer Wiederwahl werde sich die Bundesregierung dafür einsetzen, sagte Bundesgesundheitsministeriun Ulla Schmidt (SPD) gegenüber der "Welt am Sonntag". Damit soll dem Trend Rechnung getragen werden, dass Patienten zunehmend auch das Web für den Kauf von Arzneimittel nutzen wollen. Allerdings geht Schmidt davon aus, dass die Mehrzahl der Kunden weiterhin die traditionellen Apotheken nutzen wird.

Der "Runde Tisch" des Gesundheitsministeriums und einschlägiger Interessengruppen hatte vor einigen Monaten empfohlen, das Versandverbot von Medikamenten aufzuheben. Dies geschah vor allem wegen des zunehmenden Drucks der Krankenkassen, die sich vom Online-Vertrieb hohe Einsparungen versprechen. Daher akzeptieren einige Kassen bereits jetzt die Rechnungen von Medikamentenversendern aus dem angrenzenden Ausland, beispielsweise von DocMorris aus den Niederlanden oder der Schweizer Firma Mediservice. Das Bundesversicherungsamt hat nach Informationen der "Berliner Zeitung" in diesem Zusammenhang gegen zehn Kassen rechtliche Schritte eingeleitet. Auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) kritisiert den Online-Vertrieb heftig. Nach Ansicht der Interessengruppe ließe sich bei einer Freigabe die Arzneimittelsicherheit

nicht mehr gewährleisten, zudem gebe es keine Nacht- und Notdienste mehr. Daher hat die ABDA unlängst zu einer Unterschriftenaktion gegen die Versender aufgerufen. (ajf)

Mehr zum Thema Online-Apotheken lesen Sie im Beitrag "Die große Angst der Apotheken" in der Rubrik "Produkte + Technologien".