Störfaktor Stammdaten

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Hersteller wie SAP und IBM propagieren neue Software für eine konsistente Stammdatenverwaltung. Wer sie einführen will, hat ein anspruchsvolles Projekt vor sich.

Hier lesen Sie …

  • wie Unternehmen versuchen, ihre Stammdaten zu verwalten;

  • welche Hilfsmittel Hersteller dazu verkaufen wollen;

  • was beim Aufbau ent- sprechender Systeme zu beachten ist.

Stammdaten sind das Herzstück aller Geschäftsprozesse. In ihnen stecken die Kerninformationen über Artikel, Produkte, Tarife, Konten, Partner und Kunden. Umso bedenklicher ist es, dass es um die Qualität und einheitliche Aufbereitung dieser Daten offenbar schlecht bestellt ist.

So ergab im letzten Jahr eine Umfrage von Berlecon Research, dass von 400 deutschen Unternehmen weniger als die Hälfte regelmäßig die Konsistenz ihrer Stammdaten überprüfen. Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst in Branchen wie der Nahrungsmittel- und Finanzindustrie, deren Geschäftsmodelle besonders stark von verlässlichen Artikel- beziehungsweise Transaktionsstammdaten abhängen, noch ein großer Nachbesserungsbedarf existiert. So offenbarte eine Umfrage von Capgemini und der Global Commerce Initiative im Mai 2004, dass 51 Prozent aller Artikelstammdaten von Verbrauchereinheiten (Verpackungen und Paletten) Fehler aufwiesen und dadurch den Handel behinderten. Eine frühere Befragung von Finanzinstituten durch die Analysten von Tower Research zeigte, dass diese über 30 Prozent aller gescheiterten internen Transaktionen auf mangelhafte Stammdaten zurückführen.

"Jedes operative System hat heute seine eigenen, durchaus gepflegten Stammdaten. Übergreifende Prozesse und eine Organisation fehlen jedoch", sagt Arnd Oerter, Produktdatenspezialist bei IDS Scheer. Stattdessen dominieren Individuallösungen. Sie sind typischerweise Teil einer Standardsoftware beispielsweise für das Management von Kundenbeziehungen, zur Steuerung des Produktlebenszyklus der Lieferkette oder als Katalogsoftware. Ferner finden sich Einzellösungen wie etwa mit "Oracle Forms" entwickelte Datenbankanwendungen mit Schnittstellen zu Planungs- oder Designsystemen. Die meisten Unternehmen pflegten ihre Stammdaten aber lediglich opportunistisch und manuell, resümiert Alexander Lorani, Vice President der Information Management Group (IMG) in St. Gallen. "Sie setzen ein paar Studenten an den Rechner, die dann den Stammdatenabgleich machen und nach Dubletten und Fehlern suchen."