"New York Times"

Steve Ballmer war schon länger an Nokia dran

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Einem Medienbericht zufolge hat Steve Ballmer schon seit einer ganzen Weile versucht, Nokia oder genauer dessen Gerätesparte zu kaufen.

Dabei seien eine ganze Reihe von Treffen zwischen Topmanagern beider Unternehmen im Sande verlaufen, berichtet die "New York Times" in ihrem "Bits"-Blog unter Berufung auf anonyme Quellen. Im April dieses Jahres sei Microsoft-Chef Steve Ballmer nach 45 Minuten Pitch vom Nokia-Chairman Risto Siilasmaa zum Beispiel mit den Worten "Wir leben auf unterschiedlichen Planeten" abgekanzelt worden.

Steve Ballmer und Risto Siilasmaa - im April wähnte sich der Nokia-Chairman noch "auf einem anderen Planeten" als der Microsoft-CEO...
Steve Ballmer und Risto Siilasmaa - im April wähnte sich der Nokia-Chairman noch "auf einem anderen Planeten" als der Microsoft-CEO...
Foto: Nokia

Erstmals habe Ballmer Nokias Verwaltungsratschef Siilasmaa Ende Januar etwa fünf Minuten lang angerufen, um ein Treffen im Rahmen des Mobile World Congress in Barcelona anzuberaumen. Beide Manager trafen sich dann dort im Februar, um über die Vor- und Nachteile der Anfang 2011 zwischen Microsoft und Nokia vereinbarten Partnerschaft zu reden. Da ließ Ballmer dann auch die Katze aus dem Sack: Er glaube, dass Microsoft und Nokia im Mobilmarkt schneller innovativ sein könnten, wenn ihre Produkte von nur einer Firma produziert würden - Microsoft.

Bei einem späteren Treffen im Mai in London stürzte Ballmer dann, in Unterlagen von Nokia vertieft, über einen gläsernen Kaffeetisch in den Räumen der Kanzlei Simpson Thacher und verletzte sich am Kopf - die Nokia-Seite fürchtete zunächst, Ballmer sei angesichts ihres Vorschlags ausgerastet. Ballmer konnte die Verkaufsverhandlungen zwar später fortsetzen, aber nicht erfolgreich. Genauso wenig wie bei einem weiteren Treffen in Finnland, zu dem Ballmer mit Chefjustiziar Brad Smith geflogen war und Siilasmaa zusammen mit dem Nokia-CEO und früheren Microsoft-Manager Stephen Elop zu einem frühen Abendessen traf. Neben den ins Stocken geratenen Übernahmeverhandlungen kamen dabei auch viele andere Themen auf den Tisch, etwa das von Whistleblower Edward Snowden enthüllte PRISM-Spähprogramm der NSA.

Nokia ließ Microsoft dann wissen, dass es die Verhandlungen nur noch unter bestimmten Voraussetzungen weiterführen würde. Dazu gehörten die Zusage einer Finanzierungsquelle und die klare Ansage, dass Nokia seine "Here"-Geodienste unter keinen Umständen abgeben würde. Erst nachdem Microsoft dem zugestimmt hatte, trafen sich Vertreter beider Firmen Anfang Juli in New York City und erzielten den Durchbruch, der dann nach weiterer Feinabstimmung schließlich am 3. September verkündet wurde.