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Steuerfrei online einkaufen wohl bald vorbei

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Wer in den USA im Internet einkauft, muss vermutlich bald auch da Steuern zahlen.

Bislang ist das nur teilweise der Fall. Online-Händler können sich derzeit noch auf ein Urteil des Supreme Courts aus dem Jahr 1992 berufen, demzufolge sie keine Sales Tax (am ehesten vergleichbar mit der hiesigen Mehrwertsteuer) erheben müssen, wenn sie selbst keine Niederlassung in dem US-Bundesstaat unterhalten, in dem der Kunde wohnt. Seinerzeit steckte der E-Commerce noch in den Kinderschuhen; heute ist er auf ein Marktvolumen von mehr als 200 Milliarden Dollar angewachsen.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass inzwischen auch bei republikanischen Gouverneuren die Begehrlichkeiten wachsen, die zunehmend knappe Kasse des eigenen Staates via Sales Tax aufzubessern. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge haben inzwischen mehrere konservative Gouverneure es ihren demokratischen Pendants gleichgetan und mit dem weltgrößten Online-Einzelhändler Amazon.com Deals über die Erhebung von Steuern auf Einkäufe im Internet abgeschlossen.

Jüngstes Beispiel ist der als möglicher Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten gehandelte Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. Im Gegenzug baut Amazon übrigens in New Jersey ein neues Lager auf und schafft damit 1500 Vollzeitstellen; dazu kommen noch "tausende" saisonale, Teilzeit- und Baujobs. Amazon wird die 7-prozentige Sales Tax erst ab Juli 2013 erheben. Ähnliche Deals hat der Konzern aus Seattle jüngst auch in Virginia, Texas und Nevada abgeschlossen.

Amazon überzieht die Vereinigten Staaten mit einem immer engmaschigeren Netz von Lager- und Versandzentren. Es versucht, sich mit dem Versprechen einer Lieferung am teilweise selben Tag gegen den stationären Handel zu positionieren und braucht dafür eine entsprechende Distributions-Infrastruktur. Das können und wollen sich allerdings nicht alle Online-Größen leisten. Die Branchenallianz NetChoice beispielsweise, die unter anderem Ebay und Overstock.com vertritt, spricht sich gegen die Besteuerung des Online-Handels unter anderem mit der Begründung aus, diese benachteilige kleinere Firmen, die via Internet verkaufen.

Ohnehin steht aber zu erwarten, dass in absehbarer Zeit per Gesetz eine US-weite Regelung verabschiedet wird, die die E-Commerce-Besteuerung vereinheitlicht und der "Kleinstaaterei" ein Ende macht. Dafür macht sich auch Amazon.com inzwischen stark - ab 2014 wird es nach eigenen Angaben ohnehin in mindestens 13 Bundesstaaten Sales Tax entrichten, die fast der Hälfte der US-Bevölkerung entsprechen.