Montagsgerücht

Stehen E-Plus und O2 vor einer Fusion?

04.06.2012
In den deutschen Mobilfunkmarkt scheint Bewegung zu kommen.
O2 sollte laut Telefónica eigentlich an die Börse.
O2 sollte laut Telefónica eigentlich an die Börse.
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Die niederländische Telefongesellschaft KPN und der spanische Telekomkonzern Telefonica prüfen laut Insidern eine Zusammenlegung ihrer deutschen Töchter. Dies hat die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag erfahren. Mit der Fusion von E-Plus und O2 würde der deutsche Markt von vier auf drei Spieler schrumpfen. Sowohl KPN als auch Telefonica stehen unter Druck: Den Niederländern sitzt ein neuer Großaktionär im Genick, der Konzern America Movil mit einem Übernahmeangebot. Die Spanier drückt ein riesiger Schuldenberg und die Krise im eigenen Land.

Am Freitag kündigte das KPN-Management in Den Haag an, alle strategischen Optionen für die Tochterfirma E-Plus zu prüfen. Was das genau bedeuten könnte, wurde allerdings nicht gesagt. "Wir haben die Offerte von America Movil sorgfältig geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie nicht im Interesse der Aktionäre liegt", erklärte KPN-Chef Eelco Blok.

Das wiederum würde auf einem Markt mit nur vier Anbietern die Kartellbehörden in Bonn oder Brüssel auf den Plan rufen. Ein solcher Fall würde auf jeden Fall eine wettbewerbliche Überprüfung nach sich ziehen, sagt ein Kartellexperte. Mit im Boot wäre auch die Bundesnetzagentur, die in einem solchen Fall zu entscheiden hätte, ob die Unternehmen eine UMTS-Lizenz zurückgeben müssen, sie vor fast zwölf Jahren für jeweils rund acht Milliarden Euro ersteigert hatten. "Das würden wir prüfen", sagte ein Sprecher, wollte aber keine genaueren Angaben machen.

E-Plus ist mit seiner Mehrmarkenstrategie erfolgreich - das reizt auch Carlos Slim.
E-Plus ist mit seiner Mehrmarkenstrategie erfolgreich - das reizt auch Carlos Slim.
Foto: ddp

Doch die Spanier sind derzeit alles andere als expansionshungrig. Vor dem Hintergrund der enormen Verschuldung kündigte Telefonica unlängst einen Börsengang der deutschen Tochter O2 an. Gemeinsames Interesse von KPN und Telefonica: sie wollen verhindern, dass sich ein weiterer Anbieter in Europa breitmacht. Denn das eigentliche Ziel bei der geplanten Anteilserhöhung bei KPN durch America Movil ist Experten zufolge sei der Zugang zum deutschen Mobilfunkgeschäft. Mit seiner Mehrmarkenstrategie ist E-Plus sehr erfolgreich und America Movil könne zu einem günstigen Preis ins Deutschlandgeschäft einsteigen.

Vor wenigen Tagen hatte das mexikanische Unternehmen eine feindliche Aufstockung seiner Anteile von rund fünf auf 27,7 Prozent an KPN angekündigt und hierfür acht Euro je Aktie angeboten. Es wird maßgeblich von Carlos Slim, einer der reichsten Männer der Welt, kontrolliert. Der gesamte Wert der Offerte soll bei 3,4 Milliarden US-Dollar liegen. America Movil sei absichtlich unter der 30 Prozent-Schwelle geblieben, um kein öffentliches Angebot an alle außenstehenden Aktionäre unterbreiten zu müssen, kritisierte KPN.

"Wir sind davon überzeugt, dass América Móvil nicht bereit ist, für den zusätzlichen Einfluss bei KPN eine faire Prämie zu zahlen", unterstrich Block. Die KPN-Führung empfiehlt ihren Aktionären daher, das Gebot nicht anzunehmen. Die Absichten des mexikanischen Unternehmens seien unklar und América Móvil außerdem nicht willens, sich über einen Aktionärspakt an KPN zu binden. (dpa/tc)