Steeb legt Portal und BI zum Festpreis auf

04.10.2007
Das Angebot soll mittelständische Firmen von SAP-Programmen überzeugen.

Die SAP-Tochter Steeb vermarktet vorkonfigurierte Branchenlösungen, die auf SAP-Standardprodukten aufsetzen. Der Anbieter hat hierzu Festpreispakete geschnürt, bei denen der Kunde einen fixen Preis für das Aufsetzen eines Standard-ERP-Systems (75 000 Euro) sowie einer branchenspezifischen Erweiterung (50 000 Euro) zahlt. Nicht dabei sind die Softwarelizenzen, die sich nach der Anzahl der Anwender richten. Aus Projekten wurden hierzu Erfahrungswerte zusammengetragen und in eine Schablone überführt, so dass nicht bei jedem Anwender das Rad neu erfunden werden muss. Auch zahlreiche andere ERP-Anbieter verfolgen dieses Konzept. Nach Angaben von Steeb-Chef Alexander Arnold entfielen auf die 100 Neukunden aus dem Jahr 2006 etwa 60 auf die Festpreisprodukte.

Kleiner Maschinenbauer traut sich auf R/3

Steeb-Kunde Steinkamp, ein Maschinenbauunternehmen aus dem ostwestfälischen Espelkamp, ging einen eigenen Weg, um Kosten zu sparen. Seit 2005 nutzt der Betrieb R/3 4.7 mit 14 Anwendern. Steinkamp beschäftigt 140 Mitarbeiter und ist eigenen Angaben zufolge das kleinste Maschinenbauunternehmen, das R/3 verwendet. Insgesamt investierte die Firma etwa 220 000 Euro in Softwarelizenzen, neue Hardware sowie Beratungsleistung. Sparen ließ sich beispielsweise bei der Datenbank: Hier verwendet der Maschinenbauer die kostenlose "Max DB" (vormals "SAP DB"). Zwar entrichtet der SAP-Kunde für die Datenbank keine Lizenzgebühren, er muss jedoch Wartung zahlen.

Sparen konnten die Ostwestfalen auch, da sie nach den Worten des IT-Verantwortlichen Witaly Hübner ausschließlich die Standardfunk-tionen der SAP-Software einführten: "Wir wollten klein anfangen, ohne gleich von der SAP-Software erschlagen zu werden." Mit der Applikation löste Steinkamp kleine Softwaresysteme ab, die zur Auftragsbearbeitung und zur Betriebsdatenerfassung dienten, jedoch nicht integriert waren. Für die Zeiterfassung nutzen die Angestellten eine altertümliche Stechuhr. Sowohl die Personal- als auch die Betriebsdatenerfassung wickelt der Fertigungsbetrieb nun mit der Software "Hydra" des Herstellers MPDV ab, die über SAP-Interfaces verfügt.

Auch Steinkamp wird irgendwann von R/3 auf ERP 6.0 migrieren müssen, begeistert ist Hübner davon aber nicht, weil solche Vorhaben Geld kosten, das insbesondere Betriebe dieser Größe nicht ohne weiteres locker machen können: "Ich bin froh, dass wir noch eine Weile in der Standardwartung sind." Zu den laufenden Kosten kommen neben den Wartungsgebühren für die Software SAP-Beratungsleistungen. "Jeden Monat fallen drei bis vier Beraterstunden an."

Umfassten Steebs Fix-Angebote bisher ERP-Lösungen, so legt die Firma nun auch Festpreispakete für Business-Intelligence-Software sowie für ein Unternehmensportal auf. Beide basieren auf der Integrations- und Ablaufumgebung "Netweaver" von SAP und wenden sich damit an Betriebe, die SAP-Installationen um solche Komponenten ergänzen wollen. Eine weitere Offerte ("Fix APO") soll die Fertigungsplanung in Betrieben steuern. Sie stützt sich auf das Modul "Advanced Planning & Optimization" (APO). Bisher hatten praktisch ausschließlich Großfirmen APO angeschafft. Einige SAP-Nutzer verwenden für die Produktionsplanung und steuerung Drittlösungen, da ihnen die SAP-eigenen Module nicht zusagten oder zu komplex waren. Das Unternehmen überlegt derzeit, ob es weitere Festpreisangebote geben soll. Denkbar wären solche für das Kundenbeziehungs-Management CRM sowie das Product-Lifecycle-Management (PLM).

Die Fixangebote richten sich an Kunden, die keine allzu spezifischen Abläufe im ERP-System abbilden möchten, denn jedes Abweichen von dem voreingestellten Standardumfang kostet Geld. (fn)