Kein Probesitzen, dafür billiger

Start-ups verkaufen Design-Möbel im Internet

09.12.2009
Aufs Probesitzen verzichten und dafür mehrere hundert Euro sparen: Mit diesem Versprechen ködern Online-Händler die Fans von Design-Möbeln und Accessoires.

Startups wie myfab.com oder Design2desire.com lassen Sofas, Lampen oder Tretmülleimer in Übersee produzieren und vertreiben sie ohne Zwischenhandel in Europa. Der Fabrikverkauf, virtuell organisiert, könnte ein Lehrstück darüber werden, wie das Internet neue Geschäftsmodelle ermöglicht.

Myfab-Homepage
Myfab-Homepage

"In der Möbelindustrie gibt es zwischen Fabrik und Kunden viele Zwischenstationen", sagt Stéphane Setbon, Gründer von myfab.com. Wer ein Sofa oder Bett kaufe, zahle nicht nur für das Möbelstück, sondern beispielsweise für Lagerung und Marketing ebenso wie für Ladenhüter, die keinen Umsatz bringen. Das französische Start-up, seit September in Deutschland präsent, will die zwischengeschalteten Preistreiber abstellen. Um bis zu 80 Prozent günstiger sollen die Möbel dadurch sein.

Als Mittler zwischen Kundenwünschen und Fabrik dient das Internet. Auf ihren Portalen präsentieren die Unternehmen Möbel und Dekoration fürs Heim. Junge Designer gestalten die Produkte, die Besucher der Portale stimmen darüber ab und legen damit das Angebot fest. "Ich frage lieber 10.000 Kunden als einen Manager", sagt Setbon.

Die Produktion beginnt erst, wenn genügend Kunden ein Möbelstück bestellen - "on demand" nennen das Handelsexperten. "Wir geben den Auftrag direkt an die Fabrik in China", sagt Setbon. Von dort geht die Ladung per Container nach Europa. Zehn bis zwölf Wochen dauert es, bis die Käufer ihre neuen Möbel im Wohnzimmer stehen haben. Beim Konkurrenten design2desire.com läuft es ähnlich.

Design2desire-Homepage
Design2desire-Homepage

Kritiker mäkeln über die Billig-Anbieter im Internet. "Möbelkauf hat mit Fühlen, Riechen und Probesitzen zu tun", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Die Deutschen wickeln nach Verbandsangaben seit Jahren nicht mehr als fünf Prozent ihrer Möbelkäufe übers Internet ab. Myfab dagegen sieht im Kauf auf Distanz kein Problem: "Die Kunden sehen doch anhand der Bilder auf der Website, was sie kaufen", sagt Setbon. Im Stammland Frankreich werde weniger als ein Prozent der Bestellungen reklamiert.

Die deutsche Möbelindustrie unterstellt der Billigkonkurrenz zudem eine schlechte Qualität. "Was haben Sie davon, wenn ein Sofa nach drei Jahren kaputt ist?", fragt Verbandssprecherin Geismann. Eine systematische Untersuchung von Produkten aus dem Hause myfab.com und Design2desire.com stehe jedoch noch aus, räumt sie ein.

Den Vorwurf mangelnder Qualität lassen die Online-Läden nicht auf sich sitzen: Die Fabriken in China seien sorgfältig ausgewählt, diverse Markensteller arbeiteten mit denselben Produzenten zusammen, erklärt myfab. Das Startup will zudem künftig alle Produkte vom TÜV überprüfen lassen. "Wir arbeiten nur mit Herstellern zusammen, die nachweislich die in Europa gültigen Vorschriften erfüllen", versichert auch Design2desire. (dpa/tc)

Newsletter 'Nachrichten morgens' bestellen!
 

muedi
E-Commerce gewinnt immer weiter an Bedeutung, vielfach verlagern sich die Verkaufskanäle ins virtuelle. Das ist auch bei ganz handfesten Gegenständen so – wie etwa bei Möbeln, vgl. http://ibmexperts.computerwoche.de/commerce/artikel/das-internet-wird-zum-moebelhaus

comments powered by Disqus