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StarOffice 6 kostet 90 Euro

15.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems bringt dieser Tage die neue Version 6 der Bürosuite "StarOffice" auf den Markt. Anders als die noch aktuelle Version 5.2, die kostenlos zu haben ist, verlangt der Hersteller für das neue Paket 75,95 Dollar (hierzulande aufgrund der Mehrwertsteuer 89,95 Euro). Für Firmenkunden gibt es Mengenrabatt, im Bereich F&L muss sogar nur der Datenträger bezahlt werden. Im Vergleich zu Microsofts "Office" (479 Dollar), das mit 95 Prozent Marktanteil laut Gartner Dataquest den Markt massiv dominiert, ist das auf jeden Fall ein echtes Schnäppchen.

"Wir positionieren unsere Software als kostengünstige Alternative", erklärte Cherlyn Chin, Vice President Business Development bei Suns Software Systems Group. Zielgruppe seien vor allem große Unternehmen, der Bildungssektor und die öffentliche Hand. Microsoft lässt die Attacke vorerst kalt. "Die Kunden sagen uns, dass der Wert wichtiger ist als der Preis. Die Gesellschaft ist voll billiger Alternativen", kommentierte Nicole von Kaenel, Product Manager Microsoft Office.

Gartner beziffert die Kosten für den Umstieg eines Mitarbeiters von Microsoft Office auf StarOffice mit 1200 Dollar und berücksichtigt dabei unter anderem Neuschulung, Produktivitätsverlust sowie Schwierigkeiten bei der Konvertierung vorhandener Dateibestände. Chin vermutet allerdings, die Kosten lägen niedriger. "Wenn jemand von Office 95 oder 97 auf XP umsteigt, dann hat er die gleichen Schulungskosten", glaubt die Sun-Frau. "Die Makros sind anders, die Dateiformate sind anders und auch die Benutzerschnittstelle hat sich leicht verändert."

Immerhin - so mancher Kunde mag inzwischen angesichts von Microsofts umstrittenen neuen Lizenzmodell "Licensing 6.0", das jährliche Gebühren vorsieht", doch Alternativen zur Redmonder Software genauer in Augenschein nehmen. Laut Chin testen 1,8 Millionen Anwender die Vorabversion von StarOffice 6. Als Problem für die McNealy-Firma könnte sich allerdings das Fehlen einer dedizierten Vertriebsmannschaft erweisen - diese Aufgabe sollen nämlich die ansonsten eher mit Servern und Storage vertrauten VBs des Unternehmens mit übernehmen.

Zu den wichtigsten Neuerungen in StarOffice 6, das auf der gleichen Codebasis wie das quelloffene OpenOffice aufbaut, zählen die Möglichkeit, die einzelnen Programme wieder separat zu starten (Version 5.2 ist demgegenüber voll integriert und besitzt einen eigenen Desktop samt Dateiverwaltung) sowie voll dokumentierte, XML-basierte Dateiformate. Verschiedene Linux-Anbieter werden das Paket in ihre Distributionen aufnehmen - auch wenn nach Einschätzung von Chin hauptsächlich Windows-Nutzer die Software einsetzen werden.

Sun arbeitet bereits an einer kommenden, stärker Server-basierten Version der Software. Diese wird komplett neu geschrieben, um neue Standards wie Web-Services zu unterstützen, und soll Ende des Jahres in den Beta-Test gehen. (tc)