Kolumne

"Starke Worte genügen nicht"

24.08.2001
Gerhard Holzwart Redakteur CW

Wer es noch nicht geglaubt hat, wurde vergangene Woche endgültig eines Besseren belehrt: Mit dem viel zitierten teamorientierten und mitarbeiterfreundlichen "HP-Way" ist es unwiderruflich zu Ende. Die Philippika in Richtung alte HP-Zeiten, mit der die in der Kritik stehende Vorstandschefin Carleton Fiorina wohl in erster Linie sich selbst aus der Schusslinie bringen wollte, lässt jedenfalls - vordergründig betrachtet - keinen anderen Schluss zu. Doch für die gesicherte Annahme, dass sich die HP-Mitarbeiter zum Zweck eines künftigen Unternehmenserfolges auf andere, rauere Zeiten einstellen müssen, reichen starke Worte allein noch nicht aus - auch wenn die gegenüber der "Financial Times" zu Protokoll gegebene Bestandsanalyse der früheren Lucent-Managerin zutreffend ist. "Im Innern hört man nur warme Töne, das Licht ist gedämpft, eine behagliche, freundliche Umgebung, während draußen der Krieg tobt." Wer wollte da widersprechen?

Der Begriff Krieg ist übrigens ein zwar martialisch klingendes, aber in diesem Zusammenhang durchaus angebrachtes Stichwort. Man kann es auch zurückhaltender formulieren: HP hat die Entwicklungen "draußen", also im Markt, zum Teil verschlafen. Zumindest rächt sich jetzt, dass die Kalifornier mit ihren weltweit gut 90000 Mitarbeitern strategisch nicht zeitgemäß aufgestellt sind. Noch immer ist das Unternehmen zu sehr von seinem Druckergeschäft (und damit auch vom Consumer-Markt) abhängig, noch immer ist HP im Software-Business summa summarum allenfalls ein Nischenanbieter, noch immer fehlt es im derzeit (wieder einmal) florierenden Servicegeschäft mit zahlungskräftigen Unternehmenskunden an kritischer Größe.

Carleton Fiorina in diesem Zusammenhang vorzuwerfen, sie hätte in den zwei Jahren seit ihrem Amtsantritt nichts bewegt, wäre verfehlt. Intern ist einiges angestoßen worden. Aber die Frage bleibt, ob der Wandel bei HP schnell genug vonstatten geht. Die Alternativen, die sich für eine tief greifende Restrukturierung anbieten, liegen auf dem Tisch: abspecken, einzelne Geschäftsbereiche, zum Beispiel das PC-Geschäft, aufgeben. Eine andere Möglichkeit besteht nach wie vor in der Stärkung der Dienstleistungssparte.

Gerade hier drängt sich einmal mehr der oft strapazierte Vergleich mit IBM auf. Louis Gerstner konnte unlängst trotz weltweiter Konjunkturflaute stabile Umsätze melden - dank der äußerst florierenden Business Unit Global Services. Fiorinas Bilanz liest sich da wenig erbaulich. Die gescheiterte Übernahme der Beratungssparte von PriceWaterhouse-Coopers war der erste schwarze Fleck auf ihrer weißen Weste. Jetzt hat die HP-Chefin auch den letzten Mitarbeiter in ihrer Company wachgerüttelt. Nun müssen aber Taten folgen, damit man HP das abnimmt, was IBM unbestritten ist: ein ernst zu nehmender IT-Hersteller im Enterprise-Geschäft.