Openoffice.org 3.0

Starke erste Woche für quelloffenen Office-Konkurrenten

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Die neue Version 3.0 des Open-Source-Büropakets wurde in der ersten Woche nach Erscheinen drei Millionen Mal heruntergeladen.

Das schreibt John McCreesh, Head of Marketing für das Open-Source-Projekt OOo, gestern in einem Blog-Eintrag. Die hohe Download-Zahl sei erreicht worden, obwohl die "Bouncer"-Server von OpenOffice.org angesichts der überwältigenden Nachfrage zeitweilig in die Knie gegangen waren.

Etwa 80 Prozent der Downloads entfielen nach Angaben von McCreesh auf die Windows-Version von OpenOffice.org 3.0. 320.000 Mal wurde die Ausführung für den Mac heruntergeladen, die erstmals nativ ohne Umweg über Apples X11-Implementierung in Mac OS X läuft. Lediglich 221.000 Pakete wurden für Linux heruntergeladen. Daraus sollte man aus Sicht des OOo-Mannes allerdings keine falschen Schlüsse ziehen - 90-Prozent der Linux-Nutzer erhielten Updates traditionell über den Anbieter ihrer Betriebssystem-Distribution. Zudem werde das Paket häufig über Zeitschriften-CDs verbreitet und viele nicht-englischsprachige Varianten würden über alternative Webseiten verteilt.

Das Writer-Modul von OpenOffice 3.0
Das Writer-Modul von OpenOffice 3.0

Angesichts dessen könne man davon ausgehen, dass OpenOffice.org 3.0 bereits auf bis zu fünf Millionen PCs weltweit installiert sei, mutmaßt McCreesh. Das Projektziel, bis zum Jahr 2010 40 Prozent des Markts für Büropakete zu erobern, sehe "heute nicht mehr so ambitioniert aus wie vor vier Jahren", schreibt der Marketing-Mann.

Das mag der kommerzielle Konkurrent Microsoft natürlich so nicht stehen lassen. "Geschäftskunden können sehr einfach sehen, dass Microsoft Office ihnen den Produktivitätsgewinn bringt, den sie suchen", erklärte Michael Croan, Senior Marketing Manager in Redmond. "Microsoft Office ist sehr gut integriert und unterstützt und erfüllt zeitgemäße Nutzeranforderungen wie Collaboration, was bei Open-Source-Alternativen nicht immer der Fall ist." Infolgedessen würden die meisten Kunden ihre Produktivität weiterhin mit Microsofts Büropaket zu verbessern suchen. Microsoft gibt an, dass sein Office-Paket bei mehr als 550 Millionen Nutzern im Einsatz ist.

Die tatsächliche Verbreitung von OpenOffice.org ist nicht exakt bekannt, aber auf jeden Fall gering, obwohl das Paket kostenlos ist. Das liegt unter anderem an Befürchtungen bezüglich der Kompatibilität von Dokumenten und Microsofts aggresiver, taktischer Rabattpolitik. Einige der Bedenken räumt OOo 3.0 inzwischen aus - die neue Version kann alle Formate von Microsoft Office öffnen, darunter auch das aktuelle Office Open XML (OOXML) von Office 2007 (.docx, .xlsx, .pptx usw.); allerdings kann es OOXML-Dateien nicht nativ schreiben. Hoffnung auf mehr Verbreitung macht sich OpenOffice.org gewiss angesichts aktueller Bestrebungen zur Kostensenkung unter anderem wegen der US-Finanzkrise, die auch zahlreiche andere Märkte in Mitleidenschaft zieht.