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Stallman torpediert Open-Source-Diskussion

15.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zu heftigen Diskussionen kam es in einer Expertenrunde aus Industrievertretern und Wissenschaftlern, die am vergangenen Freitag in Washington stattfand, als der im Publikum anwesende Vorsitzende der Free Software Foundation (FSF) Richard Stallman das Mikrophon an sich riss. Er beschuldigte die Experten, die Gnu Public License (GPL) falsch zu interpretieren. Außerdem wehrte er sich gegen Vorwürfe des im Diskussionsforum vertretenen Senior Vice President von Microsoft, Brad Smith, Open-Source-Anhänger seien "Freie-Liebe-Idealisten" ähnlich den 60er-Jahre-Hippies. Dem war ein Statement von Smith vorangegangen, Firmen könnten mit Software, die die Bedingungen der GPL erfüllen, kein Geschäft machen. Andere Diskussionsteilnehmer meinten, dass weder die GPL noch proprietäre Konzepte notwendig seien, um Software erfolgreich auf den Markt zu

bringen. Ein Beispiel sei der Web-Server von Apache, der zwar kostenlos genutzt, dessen Quellcode jedoch nicht ohne weiteres geändert und weitergegeben werden darf.

Vor Stallmans Eingreifen erörterten die Experten die Frage von Softwarepatenten. Da mit 20.000 Stück jährlich zu viele dieser Patente vergeben werden, bestehe die Gefahr, dass sie von Herstellern bei neuen Produktentwicklungen verletzt werden. Überdies seien die patentierten Technologien zu komplex geworden, um sie überblicken zu können. Die Runde diskutierte anschließend, ob Open Source ein Weg sein könnte, auf Softwarepatente zu verzichten. Diskussionsleiter Bob Hahn, Chef des AEI-Brookings Joint Center gab zu bedenken, dass sich bereits einige Regierungen wie zum Beispiel Singapur in die Debatte einmischten, indem sie die Produktion quelloffener Software subventionieren. Die GPL könne eventuell gewährleisten, dass bestehende Rechte nicht verletzt werden. Nach der GPL darf der Quellcode von Programmen geändert und aus dem neuen Code Binaries kompiliert und weiterverbreitet werden, solange

Anwender Zugriff auf den modifizierten und den Original-Quellcode haben. (lex)