Verkehrschaos droht

Stadtbahn-Streik während der CeBIT

07.03.2012
In Hannover streiken am Donnerstag die Beschäftigten im Nahverkehr.

Damit die Stadt nicht im Verkehrschaos versinkt, sollen Bürger Solidarität zeigen. Und der Bürgermeister stellt höchstpersönlich einen Tag lang seinen Dienstwagen für CeBIT-Besucher zur Verfügung.

Für morgen gilt: Ein Mann sieht Rot - und hält an. Eine Frau natürlich auch.
Für morgen gilt: Ein Mann sieht Rot - und hält an. Eine Frau natürlich auch.
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Mitten während der weltgrößten Computermesse CeBIT droht Hannover am Donnerstag ein Verkehrschaos: Busse und Bahnen im Nahverkehr sollen den ganzen Tag stillstehen. Das Arbeitsgericht Hannover erlaubte am Mittwoch einen Warnstreik, mit dem die Gewerkschaften Druck auf die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst machen wollen.

Die Bahnen, die direkt zum Messegelände fahren, sind das wichtigste Transportmittel für zehntausende CeBIT-Besucher. Die Veranstalter riefen die Hannoveraner daher zur Hilfe auf.

Autofahrer sollen Messegäste mitnehmen, die einen ausgedruckten roten Punkt am Straßenrand in der Hand halten. Umgekehrt signalisiert ein hinter die Windschutzscheibe gelegter Punkt, dass der Besitzer des Wagens zur Messe fährt. Ein Vordruck hierfür steht auf der CeBIT-Website bereit. Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) will seinen Dienstwagen für CeBIT-Besucher zur Verfügung stellen.

Die Verkehrsbetriebe organisieren einen Pendelverkehr vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu den Messeeingängen. Die Deutsche Bahn richtet Sonderverbindungen vom Hauptbahnhof zum Messebahnhof in Laatzen ein, die Deutsche Messe AG bietet Shuttle-Dienste zwischen Aegidientorplatz und Messegelände an. Auch das Rote Kreuz setzt zehn Busse ein. Nach Angaben der CeBIT-Veranstalter haben Unternehmen wie Tui, AWD und HDI sowie die niedersächsische Landesregierung und der ADAC ihre Mitarbeiter gebeten, Besuchern bei der Anreise zu helfen.

Das Üstra-Management hatte versucht, den Streik per Eilantrag verbieten zu lassen. Dies wiesen die Richter aber zurück. Die Maßgabe der Unverhältnismäßigkeit wurde nach Einschätzung der Kammer nicht verletzt: "Ein Streik, der nicht wehtut, macht ja auch überhaupt keinen Sinn."

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) und Hannovers Oberbürgermeister Weil hatten den Arbeitskampf scharf kritisiert. Sie befürchten einen Imageschaden für die Stadt. Verdi und der Deutsche Gewerkschaftsbund verteidigten die Aktion.

Die Beschäftigten der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra wollen Straßen- und U-Bahnen sowie Linienbusse vom Betriebsbeginn um etwa 3:30 Uhr bis zum Betriebsende am Freitagmorgen um 1:30 Uhr in den Depots lassen.

Aufgerufen zu dem ganztägigen Ausstand hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie fordert zusammen mit der Tarifunion des Beamtenbundes dbb für die Mitarbeiter von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch ein Plus von 200 Euro im Monat.

Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst war für diesen Donnerstag auch in ganz Niedersachsen und Bremen zu Streiks aufgerufen worden. Betroffen sind außer Verkehrsbetrieben auch Kindergärten, Stadtwerke und die Müllabfuhr. (dpa/tc)