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Stadt Wien erläutert ihren Open-Source-Kurs und schwört auf "Wienux"

07.07.2005
Der Wiener Stadtrat Rudi Schicker hat gegenüber der Presse den aktuellen Status des Open-Source-Projekts in Österreichs Hauptstadt beschrieben.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Wiener Stadtrat Rudi Schicker hat gegenüber der Presse den aktuellen Status des Open-Source-Projekts in Österreichs Hauptstadt beschrieben. Unter anderem wurde dabei auch "Wienux", eine an die Bedürfnisse der Stadtverwaltung angepasste Linux-Version, präsentiert.

Wien beschäftigt 35.000 Magistratsbedienstete in 140 Dienststellen. Sie arbeiten derzeit mit 18.000 PCs, 8.200 Druckern und 560 Servern. Erfahrungen mit Linux und anderen Open-Source-Produkten liegen insbesondere im Server-Bereich seit Jahren vor. Nicht zuletzt deshalb ist nun auch die Umstellung der Desktops geplant, die derzeit noch überwiegend unter Windows 2000 laufen. Das Magistrat der Stadt Wien will die Migration bis spätestens 2008 geschafft haben, zumal Microsoft den Support für Windows 2000 allmählich zurückfahre.

Rund 7500 PCs, so haben die Österreicher nach einer genauen Erhebung der eingesetzten Software herausgefunden, können problemlos von Microsofts Bürosoftware auf OpenOffice.org wechseln. Davon ließen sich 4800 PCs auch kurzfristig auf Linux umstellen. Um eine Plattform zu entwickeln, die mit der bestehenden Microsoft-Welt kommunizieren kann, hat die Stadt Wien im Oktober 2004 damit begonnen, die Open-Source-Arbeitsplatzumgebung Wienux zu schaffen.

Wienux basiert auf der Debian-Distribution und der Benutzeroberfläche KDE. Als Webbrowser kommt Mozilla Firefox zum Einsatz, auf E-Mails wird via "Microsoft Outlook WebAccess" zugegriffen. Auch für den Zugang zu SAP- und anderen Programmen haben die Wiener Lösungen entwickelt.

Die Verantwortlichen legen großen Wert darauf, die Wiener Verwaltungsangestellten vorsichtig an Linux, OpenOffice und andere Open-Source-Produkte heranzuführen. Beispielsweise konnten sich die Mitarbeiter im Rahmen eines Informationstages mit den Produkten beschäftigen. Dabei besteht für alle Betroffenen die Möglichkeit, weiter an der gewohnten Microsoft-Welt festzuhalten. Außerdem wurde eine User-Group ins Leben gerufen, deren Aufgabe es ist, die Bedürfnisse und Anforderungen an die neuen Produkte aus den Dienststellen heraus zu erheben. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Anwender, um über mögliche Änderungen zu reden.

"Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Umsteller im ersten Jahr einige Hundert nicht überschreiten wird", sagte der städtische Abteilungsleiter Erwin Gillich. "Viele schauen bestimmt erst einmal zu, wie gut das funktioniert." Das Wiener Projekt ist neben dem Münchner Linux-Vorhaben das derzeit populärste in Europa. (hv)

Wienux enthält unter anderem:

  • Debian/GNU Linux 3.1, Kernel 2.6.11

  • XFree86 4.3

  • KDE Desktop 3.3.2

  • OpenOffice.org

  • SAP Java GUI

  • Mozilla Firefox 1.0.4

  • MS Outlook WebAccess

  • K3b CD-RW/DVD-Brennsoftware

  • GIMP Bildbearbeitungsprogramm

Links zu städtischen Linux-Projekten: