Top-Transferraten durch vier Controller

SSD-Test - OCZ IBIS mit Turbo-Schnittstelle

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
OCZ preist mit der IBIS eine Solid State Disk als 3,5-Zoll-Laufwerk mit vier SandForce-Controllern an. Für die hohe Performance ist ein HSDL-Interface mit zugehöriger PCI-Express-Karte notwendig. Im Test überzeugt die SSD durch hervorragende Transferraten - es gibt jedoch eine Alternative.

Produktdaten: OCZ hat für die IBIS die eigene proprietäre Schnittstelle HSDL entwickelt. Für die hohen avisierten Transferraten von bis zu 740 MByte/s reicht selbst SATA 6 Gbps nicht mehr aus. Die HSDL-Schnittstelle, die OCZ als offenen Standard proklamiert, verwendet ein mitgeliefertes SAS-Kabel, über das PCIe-Signale transferriert werden. Der Anschluss der IBIS im PC erfolgt über die im Paket enthaltene PCI-Express-Controller-Karte.

Die IBIS verwendet wie das RevoDrive X2 von OZC intern vier SandForce-1200-Controller. Jeweils zwei Controller sitzen mit den MLC-NANDs auf einer Platine. Bei der getesteten 240-GByte-Version der IBIS (OCZ3HSD1IBS1-240G) kommen 64 MLC-NANDs vom Typ Intel 29F32G08AAMDB zum Einsatz.

Auf einer dritten Platine befindet sich der Silicon Image Sil3124 RAID-Chip, der alle vier SF-1200 im RAID-Verfahren ansteuert. Die SATA-Signale des RAID-Chips werden dann über einen PCIe-Chip im IBIS-Laufwerk über das HSDL-Interface ausgegeben. HSDL erlaubt laut OCZ eine Bandbreite von bis zu 20 Gbit/s - umgerechnet sind somit 2,5 GByte/s möglich.

Per Werkseinstellung arbeiten die vier SandForce-Controller beim IBIS für eine maximale Performance im schnellen RAID-0-Verfahren. Optional lässt beim Booten über das eigene BIOS der SSD auch für erhöhte Datensicherheit das RAID-10-Verfahren auswählen. Hier arbeiten jeweils die beiden SF-1200-Controller auf einer Platine im schnellen RAID-0-Verfahren - diese beiden Stripesets sind dann untereinander gespiegelt. Wer will, kann auch zwei einzelne RAID-1-Volumes kreieren. Alternativ bietet das BIOS noch das RAID-5-Verfahren mit den vier SF-1200 an. Die zur Verfügung stehende Kapazität reduziert sich dann natürlich entsprechend.

OCZs IBIS wird vom System als SCSI-Karte gehandhabt. Entsprechend lässt sich von dem 3,5-Zoll-Laufwerk auch direkt booten. Bei der Installation von Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 auf dem IBIS muss nur der entsprechende Treiber eingebunden werden.

Normalerweise unterstützen die SandForce-Controller den TRIM-Befehl. Das speziell für SSDs entwickelte ATA-Kommando ändert die Löschstrategie und beschleunigt so Schreibzugriffe. Das RevoDrive bietet allerdings keinen TRIM-Support. Schuld daran ist der RAID-Controller auf der Karte, der die TRIM-Kommandos nicht an die SandForce-Controller weitergibt. OCZ betont allerdings, dass die SSD auch ohne TRIM-Support Algorithmen verwendet, um im Laufe der Zeit sinkende Schreibraten zu verhindern. OCZ hat die MTBF für die IBIS mit 2.000.000 Stunden spezifiziert - ein üblicher Wert bei SSDs.

Die von TecChannel getestete 240-GByte-Version der IBIS kostet bei typischen Online-Händlern zirka 620 Euro. Das als PCI-Express-Karte ausgeführte OCZ RevoDrive X2 mit ebenfalls vier SandForce-Controllern ist in der 240-GByte-Version für etwa 600 Euro erhältlich. OCZ bietet die IBIS in sieben Varianten mit Kapazitäten von 100 GByte (zirka 420 Euro) bis hin zu 960 GByte (zirka 2600 Euro) an. (Stand Preise: 07.01.11). Im Laufe des ersten Quartals 2011 will OCZ noch eine PCI-Express-RAID-Controller-Karte mit vier HSDL-Anschlüssen anbieten. Damit sollen dann vier IBIS im RAID-Verfahren betrieben werden können.