Branche reagiert

SS7 - Sicherheitslücke in Mobilfunk-Netz entdeckt

19.12.2014
Während die Verschlüsselung im alten GSM-Mobilfunknetz schon lange als löchrig galt, wurde dem neueren UMTS-Datenfunk bisher vertraut. Jetzt entdecken IT-Experten aber eine Schwachstelle, die die gesamte Industrie betrifft. Deutsche Netzbetreiber stopfen die Lücke.
Über eine Schwachstelle im SS7-Protokoll können Daten im vermeintlich sicheren UMTS-Netz mitgelesen werden.
Über eine Schwachstelle im SS7-Protokoll können Daten im vermeintlich sicheren UMTS-Netz mitgelesen werden.
Foto: Vodafone

Experten haben eine schwerwiegende Sicherheitslücke im Mobilfunk-Netz entdeckt und die Anbieter zu einer schnellen Reaktion veranlasst. Über die Schwachstelle gelang es, die als sicher geltende Verschlüsselung im UMTS-Netz zu umgehen und SMS zum Beispiel aus dem Netz der Deutschen Telekom abzufangen und auszulesen, wie WDR und "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag berichteten. Möglich sei auch das Ausspähen des E-Mail-Verkehrs und das Mithören von Telefonaten.

Die Deutsche Telekom und Vodafone erklärten noch am Abend, dass die Sicherheitslücke in ihren Netzen bereits geschlossen worden sei. Auch beim neuen deutschen Marktführer Telefónica Deutschland mit den Marken O2 und E-Plus hieß es, man habe Maßnahmen ergriffen, um die Schwachstelle zu stopfen.

Die Experten um den Berliner IT-Spezialisten Karsten Nohl demonstrierten eine Sicherheitslücke im SS7-Protokoll Dieses wird von den Netzbetreibern unter anderem beim Austausch mit anderen Anbietern wie etwa Roaming-Partnern im Ausland genutzt. Auch sei es unter Umständen notwendig, Verschlüsselungsdaten für Gespräche von einer Vermittlungsstelle zur nächsten auszutauschen, hieß es in den Medienberichten. Allerdings teilten viele Netzbetreiber diese Verschlüsselungsdaten auch automatisiert mit Telefongesellschaften in der ganzen Welt.

Den Experten gelang es demnach, die Verschlüsselungsdaten für die Kommunikation des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek abzufragen, die die Telekom automatisiert geliefert habe. Dafür hätten sie sich als eine ausländische Vermittlungsstelle ausgegeben.

Die Telekom schränkte ein, das geschilderte Missbrauchsszenario erfordere ein hohes Expertenwissen. "Dazu muss man sich in der Nähe des Teilnehmers aufhalten, über einen speziellen Empfänger verfügen, der nicht am Markt erhältlich ist und sich Zugang zum internen Signalisierungsnetz der Mobilfunkbetreiber verschaffen."

Allerdings verwiesen die IT-Experten darauf, dass sich Bundestag und Regierung in unmittelbarer Nähe der amerikanischen und russischen Botschaften befinden. Im vergangenen Herbst hatten Medienberichte, wonach der US-Geheimdienst NSA ein ungesichertes Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört habe, für einen Eklat gesorgt. Die Möglichkeit dafür war damals auf die bekannten Schwächen der Verschlüsselung beim alten Mobilfunk-Standard GSM zurückgeführt worden. Die Telekom betonte zugleich, alle Maßnahmen einzelner Netzbetreiber könnten "nur ein Pflaster" sein und eine dauerhafte Lösung müsse von der gesamten Industrie entwickelt werden.