US-Berater fordert Maßnahmen gegen DBMS-Dominanz von Big Blue:

SQL-Norm unabhängig von IBM auslegen

22.01.1988

MÜNCHEN (CW)- Eine Dominanz der IBM auf dem Markt für Datenbank-Management-Systeme hätte böse Folgen für Konkurrenten wie Anwender. Deshalb solle sich der SQL-Standard nur an der Public-Domain-Zugriffssprache orientieren, nicht aber an den IBM-Produkten DB2 und SQL/DS. Das äußerte George Schussel. President der Digital Consulting Inc., Andover/ Massachusetts, letzt gegenüber der "Computerworld" .

"Wenn IBM den Markt für Mainframe-DBMS-Software an sich reißt, sieht es für die Benutzer sehr schlecht aus", prophezeit Schussel. Denn "aus Anwendersicht sind Preis, Funktionalität und Service in einem

vom Konkurrenzkampf bestimmten Markt wesentlich günstiger".

Die Besorgnis des US-Beraters hat konkrete Gründe: Während der beiden vergangenen Jahre konnte er beobachten, wie die DB2-Sprache SQL zum ANSI-Standard wurde, die Verkaufszahlen für die beiden auf SQL basierenden IBM-Produkte in die Höhe schnellten und die Konkurrenten auf dem Markt für Mainframe-Datenbanksysteme Anteile einbüßten. (Siehe CW Nr. 49 vom 4. Dezember 1987, Seite 4: "IBM macht bei DBMS-Kunden das Rennen".)

Viele Software-Anbieter haben bereits SQL-Unterstützung angekündigt. Laut Schussel zogen einige Analysten daraus den Schluß, daß die DBMS-Produkte der IBM sich als die neuen Standards erwiesen hätten. Den unabhängigen Herstellern bliebe demnach nichts übrig, als sich von diesem Markt zurückzuziehen.

Was eine Marktdominanz der IBM bedeuten würde, erläutert Schussel am Beispiel CICS: "Den unabhängigen Markt für TP-Monitoren gibt es nicht mehr. CICS dominiert dieses Marktsegment, und aus dem Mangel an vernünftigen Alternativen folgt eine Verarmung für den Anwender."

Ganz anders sehe es aus, wenn sich eine Norm unabhängig vom IBM-Produkt durchsetze: Auf dem PC-Markt konnten andere Hersteller auf der Basis des von Microsoft entwickelten Betriebssystems MS-DOS den Standard adaptieren und, so Schussel, ein besseres Preis/Leistungs-Verhältnis anbieten.

PS/2 und OS/2, mit deren Ankündigung die IBM auf den Verlust von Marktanteilen reagierte, werden nach Einschätzung des Beraters wiederum eine Reihe von Clones nach sich ziehen. Dem Anwender könne das nur recht sein. Schussel: "Der große Nutznießer dieses Wettbewerbs ist der User."