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Sprachtelefonie künftig als UMTS-Dreingabe

20.04.2004

Mit der Einführung der UMTS-Netze erwarten Branchenexperten einen rasanten Verfall der Minutenpreise für Sprachtelefonie. In anderen europäischen Ländern, insbesondere in Österreich und Großbritannien, liefern sich erste UMTS-Netzbetreiber bereits einen heftigen Wettbewerb um Kunden. "Wir werden die Tarifentwicklung steuern und nicht die Konkurrenz", sagte etwa Bob Fuller, Chef des britischen Netzbetreibers 3, der "Financial Times Deutschland". Er werde jeden Sprachtarif der Rivalen unterbieten, kündigte er an. In Österreich liebäugelt 3 bereits damit, Kunden mit lebenslang garantierten Freigesprächen zu ködern.

Die Anbieter kalkulieren damit, Wachstum künftig über Datendienste zu erzielen, denn schon seit Jahren verfallen die Preise für Sprachtelefonie, so dass die Betreiber zunehmend Probleme haben, die von den Aktionären geforderten Einnahmenzuwächse erfüllen zu können. Datendienste bergen hingegen noch enormes Potenzial, vermutlich müssen sich die Handy-Nutzer daher die kostenlosen Sprachdienste mit der Verpflichtung erkaufen, bestimmte Datenmenge auf das Mobiltelefon zu laden.

Die Kalkulation ist mit einigen Risken behaftet, denn derzeit entfallen noch 80 Prozent der Einnahmen der TK-Anbieter auf die Sprachtelefonie. Anbieter wie T-Mobile oder Vodafone laufen bei allzu aggressiver Preispolitik Gefahr, die zuverlässigen Einnahmen aus den GSM-Netzen zu kannibalisieren. Nur Preisbrecher 3 braucht keine Rücksicht nehmen, denn das Unternehmen unterhält keine herkömmlichen TK-Netze, sondern startete vergangenes Jahr mit einer reinen UMTS-Infrastruktur. In Deutschland ist 3 jedoch nicht vertreten. (jha)