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Spionageaffäre im Ericsson-Konzern

12.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das schwedische Außenministerium hat gestern zwei russische Diplomaten des Landes verwiesen. Ihre "Aktivitäten" seien "unvereinbar mit ihrem diplomatischen Status" gewesen, hieß es in einem Communiqué aus Stockholm. Die Ausweisungen stehen im Zusammenhang mit der Verhaftung eines ehemaligen Ericsson-Mitarbeiters vergangene Woche. Die schwedische Polizei nahm den Mann fest, als er sich mit einem ausländischen Geheimdienstoffizier traf. Dabei beschlagnahmten die Beamten auch geheimes Material, das möglicherweise übergeben werden sollte.

Presseberichten zufolge habe der mutmaßliche Spion im Zuge der Entlassungswelle bei dem schwedischen TK-Konzern seinen Job verloren und wollte sich rächen. Er stehe im Verdacht, "schwerwiegende Spionage zugunsten einer fremden Macht" ausgeübt zu haben. Ericsson suspendierte inzwischen noch zwei weitere Mitarbeiter vom Dienst, die möglicherweise Kontakt zu dem Verhafteten hatten. Ihnen wird Industriespionage unterstellt.

Zur Art der Informationen sowie den Abteilungen der drei Mitarbeiter wollten sich weder die Sicherheitskräfte noch Ericsson gegenüber der Presse äußern. Der Konzern sagte lediglich, dass die drei Mitarbeiter in der Entwicklung tätig waren, aber über keinerlei Spitzenkompetenz verfügten.

Ericsson stellt neben Mobilfunkgeräten auch Radar- und Raketenlenktechnik für das schwedische Kampfflugzeug JAS Gripen her. Im Moment bewirbt sich der Konzern mit zwei anderen Konkurrenten um einen Auftrag zur Lieferung von 48 Kampf-Jets für die polnische Luftwaffe. (km)