Gamification meets Big Data

Spielerisch mit großen Datenmengen umgehen

Wolfgang Kobek ist VP EMEA beim Business Intelligence-Anbieter Qlik. Als früherer Geschäftsführer der DACH-Region hat er viele Unternehmen dabei unterstützt, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Datenanalyse und -visualisierung umzusetzen. Er sagt: BI ist keine Nische, sondern bietet Vorteile gleichermaßen für den Mittelstand und Großkonzerne, für die Fertigungsindustrie ebenso wie den Dienstleistungssektor und natürlich sämtliche Fachabteilungen im Unternehmen.
Auf den ersten Blick haben Gamification und Big Data nicht viel miteinander zu tun. Das ändert sich aber schnell, wenn man genauer hinsieht: Wer spielt und somit Daten generiert, gibt viel von sich preis.

Das beste Beispiel für Gamification kommt wohl aus dem Sport: Das Erfassen der individuellen Laufleistung spornt die Sportler nicht nur an, sie schafft auch die Möglichkeit die eigene Leistung mit anderen zu vergleichen. Vor allem aber bekommt der jeweilige Software-Anbieter damit jede Menge wertvoller Informationen, schafft eine Community und damit auch die Möglichkeit zu einem Kundendialog, den es in dieser Form vorher nicht gab. Die Formel dahinter ist klar: Motivation gleich Loyalität gleich Werbung gleich Sales.

Ausschließlich BI-Sieger zu feiern ist der falsche Weg - das schafft höchstens Fronten, wo keine sein sollten.
Ausschließlich BI-Sieger zu feiern ist der falsche Weg - das schafft höchstens Fronten, wo keine sein sollten.
Foto: venimo-shutterstock.com

Der spielerische Reiz von Business Intelligence und Datenanalyse

Durch die Integration spielerischer Elemente soll im Wesentlichen eine Motivationssteigerung der Personen erreicht werden, die ansonsten wenig herausfordernde, als zu monoton empfundene oder auch zu komplexe Aufgaben erfüllen müssen. Erste Datenanalysen von gamifizierten Anwendungen zeigen teilweise signifikante Verbesserungen. Dies vor allem in Bereichen wie Benutzermotivation, Lernerfolg, Kundenbindung, ROI oder Datenqualität. Der Ansatz, über Verhaltensdaten zu verstehen und zu motivieren, hat weitreichende Folgen für die gesamte Organisation des Business. Voraussetzung: Man muss mit den Daten etwas anfangen können.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Das bringt uns schon zum Thema Datenanalyse und Business Intelligence. Aber die Verbindung geht noch weiter: Eine gute BI-Lösung hat in sich selbst jede Menge Gamification-Elemente. Allein der Ansatz, den Schatz in den Tiefen der Datenmeere zu finden, birgt etwas Spielerisches. Diesen Effekt gilt es zu verstärken und auf die Welt der BI und Analytics anzuwenden. Dabei geht es nicht darum, "Counterstrike" in Data Discovery umzusetzen. Ausschließlich BI-Sieger zu feiern ist der falsche Weg - das schafft höchstens Fronten, wo keine sein sollten.

Faszination & Entdeckerdrang sorgen für Motivation

Ziel muss es sein die Leute zu faszinieren, so dass sie immer mehr Fragen stellen. Sie sollen wie ein Spürhund immer tiefer in den Daten suchen - eine Kette aufbauen, die von einer Erkenntnis zur nächsten Frage führt, Ursachen identifiziert, Antworten simuliert und die Aufmerksamkeit fesselt. Wenn Erkenntnisse so dargestellt werden, dass die Antworten dazu animieren weiter zu suchen, taucht der Anwender automatisch tiefer in die Lösung. Im spielerischen Kontext - mit Neugier, Anerkennung, Spaß und Unterhaltung - lernen auch Anfänger wie BI funktioniert und sind nach kurzer Zeit in der Lage, genauso routiniert Fakten und Trends zu visualisieren wie langjährige Profis.

Zum Spiel gehört auch ein gemeinschaftliches Element - der Austausch mit anderen, das gemeinsame Schaffen und Entdecken. Auch diese kollaborative Komponente muss eine BI-Lösung aufnehmen und auf umfassende Zusammenarbeit abzielen. Der dynamische Austausch, in dem ständig neue Inhalte von Kollegen bewertet, angepasst und überarbeitet werden können, ist für die Entscheidungsfindung und das Mitarbeiter-Engagement in Unternehmen von immensem Wert. Anwender sollen von den Erfahrungen des ganzen Unternehmens profitieren, unabhängig von Position oder Abteilung. Ist dies nicht möglich, wird BI schnell nutzlos.

Mit Candy Crush zu neuen Wegen?

Optimal umgesetzt ist das in einer Lösung, die sich nicht auf Oberflächen oder Dashboards konzentriert, sondern auf die Anwendererfahrung. Für den User ist es sicher nützlich, eine schnelle Antwort auf eine einzige Abfrage zu bekommen oder ein Report-Format schnell zu befüllen. Motivierender und für das Unternehmen profitabler ist es jedoch, ihm einen breiteren Blick auf Zusammenhänge zu bieten. Eine andere Perspektive - etwa die eines Partners, Zulieferers oder Kunden - hilft dabei, einen Themenkomplex aus vielen Blickwinkeln zu verstehen. Das ist fast schon ein Quantensprung - der gesamte Kontext der Erfahrung, die Wahrnehmung der Geschäftswelt ändert sich.

Business-Intelligence-Apps wurden traditionell so entwickelt, dass sie Antworten auf ganz spezifische Fragen geben und vordefinierte Datenquellen einbeziehen. Dies aber führt in eine Sackgasse. Es ist wesentlich besser, mit Neugier und Offenheit an die Sache heranzugehen: Wissen wollen was gerade läuft - und das zu erreichen, indem man einen Kontext zwischen den vielen Dingen die gerade passieren, herstellt. Vielleicht ist das momentan populäre Videospiel Candy Crush ein besseres Vorbild für neue Ansätze - wenn auch ohne den Wettbewerbsgedanken: Einfach spielerisch Daten kombinieren und so neue Wege auftun als Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmensstrategie. Bei Candy Crush Saga handelt es sich um ein Puzzle-Videospiel. Es ist online spielbar und als App erhältlich, welche ursprünglich von King am 12. April 2012 für das Soziale Netzwerk Facebook und am 14. November 2012 für Smartphones entwickelt wurde. (bw)