Nintendo auf Höhenflug

Spielekonsolen-Geschäft trotzt der Flaute

20.10.2008
Die Spielekonsolen-Branche hat sich im September weitgehend immun gegen die Auswirkungen der Finanzkrise in Amerika gezeigt.

Der Marktführer - der japanische Spiele- und Konsolenhersteller Nintendo - konnte mit seiner "Wii" im September in den USA um 37 Prozent deutlich zulegen. Das Traditionshaus verkaufte insgesamt 687.000 Wii-Konsolen, wie das amerikanische Marktforschungsunternehmen NPD Group berichtete. Microsoft erntete die Früchte seiner jüngsten Preissenkungen: Die "Xbox 360" legte um 78 Prozent zu und verwies damit Sony mit der "PlayStation 3" auf den dritten Platz.

Rast weiter trotz Finanzkrise: Nintendos Supermario
Rast weiter trotz Finanzkrise: Nintendos Supermario

Gegenüber dem Vormonat hätten alle Konsolen beim Absatz deutliche Zuwächse verzeichnet, sagte Anita Frazier, Analystin der NPD Group dem "Seattle Post Intelligencer". Vor allem die positive Entwicklung von Microsofts Xbox 360 sei angesichts der turbulenten Wirtschaft ein "sicherer Indikator für die Gesundheit der Industrie kurz vor dem Weihnachtsgeschäft".

Microsoft erwartet, dass sich der Konsolen-Markt auch weiter unbeeindruckt von den Talfahrten an den internationalen Börsen gut entwickelt. "Wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass die allgemeine Wirtschaftslage überhaupt einen Einfluss haben könnte", sagte Microsoft-Sprecher David Dennis der Zeitung. "In der Vergangenheit hat sich die Industrie immer relativ immun gegen solche Einflüsse gezeigt."

Microsoft hatte im September die Preise seiner Modelle noch einmal deutlich gesenkt. Das günstigste Modell "Arcade" kostet seither in den USA mit 200 Dollar 50 Dollar weniger als Nintendos Wii, in Deutschland ist das Gerät mit einem Einstiegspreis ab 180 Euro knapp 70 Euro billiger als der Marktführer. Sony, nach den NPD-Daten derzeit mit der PlayStation 3 weiter die Nummer drei, hatte wiederholt betont, keine Preissenkungen zu planen.

Sony setzt stattdessen auf neue exklusive Spieletitel wie "Little Big Planet" und rüstet mit Zusatzfunktionen sowie Geräten wie dem DVB-T-Receiver "Play TV" seine Konsole weiter zu einer Unterhaltungsplattform für das Wohnzimmer aus. Möglicherweise könnte diese Strategie aufgehen. Den NPD-Zahlen zufolge legte die PlayStation 3 mit 232.400 verkauften Geräten zwar nur 25 Prozent zu, übertraf damit allerdings auch die Erwartungen der Analysten. Microsoft verkaufte im September insgesamt 347.200 Konsolen. Die Playstation 3 ist mit ihrem Hochleistungs-Chip "Cell" und integriertem Blu-ray-Player auch in der Herstellung die mit Abstand teuerste Konsole.

Der Markt insgesamt, inklusive Hardware und Spieletitel, ging im September allerdings erstmals seit rund zwei Jahren um sieben Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar zurück. Anders als im Vorjahresmonat fehle der Branche derzeit ein zugkräftiges Spiel, schätzte NPD-Analystin Frazier. Im September 2007 hatte Microsoft den Spiele-Hit "Halo 3" veröffentlicht und damit den Umsatz erheblich angekurbelt. Insgesamt verkaufte der Software-Riese 3,3 Millionen Einheiten des Spiels. In diesem Jahr werde die Branche mit Konsolen, Spielen und Zubehör voraussichtlich rund 22 Milliarden Dollar umsetzen, hieß es. (dpa/tc)