Recruiting in der IT

Spezialisten für Industrie 4.0 brauchen Soft Skills

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Die Suche nach dem richtigen Mitarbeiter in der IT ist keine leichte Aufgabe. Lesen Sie hier, welche Tipps HR-Manager zu Karrieremöglichkeiten im Zeitalter von Industrie 4.0 geben und vor welchen Herausforderungen sie bei der Suche nach den richtigen Kandidaten stehen.

Die Anforderungen an die IT und IT-Spezialisten haben sich geändert. Speziell durch die Digitalisierung werden alle Unternehmensabläufe modernisiert, weiß Marcus Reif, Head of Recruiting & Employer Branding beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young aus eigener Erfahrung zu berichten: "Überall wächst die Nachfrage an IT-Experten oder IT-affinen Persönlichkeiten stark." Auch bei seinem Arbeitgeber sei bei zunehmenden Anforderung der Bedarf an Analytics-Experten gestiegen. Diese, so Reif, können aus der IT-Fachrichtung kommen, aber auch aus Wirtschafts- oder Naturwissenschaften den Weg in die IT gehen. Die Beurteilung von Unternehmensrisiken, insbesondere was IT-Systeme und -Architektur betrifft, nehme ebenfalls stark zu. IT-Forensik sei hier nur ein Beispiel von vielen.

Ingenieurinformatiker sind heiß begehrt

Durch die Digitalisierung öffnen sich neue Felder: Ob Design, CAD-Entwicklung oder Simulationen - beim Automobilzulieferer Bertrandt sind viele Bereiche bereits heute sehr IT-lastig. "Berufseinsteiger oder berufserfahrene IT-Spezialisten sind deshalb zunehmend gefragt", bestätigt die Leiterin für Personalmarketing und -entwicklung Sandra Hoffmann: "Wir suchen speziell Absolventen und berufserfahrene Bewerber mit Abschlüssen in den Bereichen Elektrotechnik, Ingenieurinformatik oder Softwaretechnik." Der Beruf des Ingenieurs, so Hoffmann, werde sich zukünftig noch stärker als bisher in Richtung IT orientieren. Das bringe die Digitalisierung des Autos einfach mit sich.

Der Rekrutierungsprozess muss stärker auf die Kandidaten ausgerichtet werden.
Der Rekrutierungsprozess muss stärker auf die Kandidaten ausgerichtet werden.
Foto: Bacho- shutterstock.com

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Auch bei Bosch bieten sich durch diese Entwicklung exzellente Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen und Berufserfahrene in klassischen MINT-Berufen. "Gut ein Drittel unserer offenen Stellen finden sich im IT- und Softwareumfeld. Tendenz steigend", berichtet Vera Winter, Leiterin Personalmarketing bei der Robert Bosch GmbH. Rund ein Drittel der Jobprofile im IT- und Softwareumfeld richten sich laut Winter an Softwareentwickler für IT-Systeme, die Bosch zum Beispiel für Web-Applikationen benötige. Zwei Drittel der Jobprofile entfallen auf Tätigkeiten im Bereich Embedded Systems, also etwa die Entwicklung von Sensorsystemen oder das Programmieren von elektronischen Steuergeräten.

Spezialisten für die Industrie 4.0

Vor allem die Entwicklung hin zur Industrie 4.0 verlangt mehr und mehr Spezialisten, erläutert HR-Manager Alexander Schön von Phoenix Contact: "Industrie 4.0 ist bei Phoenix Contact nicht nur ein Schlagwort. Wir stellen die Technik her, mit der die Digitalisierung der Produktion möglich wird und arbeiten aktiv an den Lösungen für die Zukunft mit. Die Einsatzmöglichkeiten und -gebiete für IT-Spezialisten sind daher bei Phoenix Contact sehr vielfältig."

Dabei wird die Rekrutierung dieser Spezialisten zunehmend zu einer komplexen Herausforderung, der man unternehmensseitig entsprechend begegnen muss, wie HR-Spezialist Reif von Ernst & Young aus Erfahrung weiß: "In einem enger werdenden Arbeitsmarkt gilt eine attraktive Arbeitgebermarke, eine evident moderne Unternehmens- und Führungskultur innerhalb des Unternehmens, und ein auf den Kandidaten ausgerichteter Rekrutierungsprozess als entscheidend für den Erfolg der Nachwuchsgewinnung."

Soft Skills werden immer wichtiger

Zudem, so Reif, habe sich der Fokus der Unternehmen im Recruting-Prozess verschoben. Soft Skills würden immer wichtiger und überlagerten Hard Skills bei Weitem, gerade Noten aus Abitur und Studium verlören an Aussagekraft. Reif: "Wir rekrutieren Persönlichkeiten nach Potenzial und Talent, trainieren Fähigkeiten und bauen gerne auf den akademisch erworbenen Kompetenzen auf."

Auch Schön bestätigt die Bedeutung der individuellen und persönlichen Eigenschaften: "Für uns ist neben dem fachlichen Know-how ganz wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen, flexibel zu sein, im Team interagieren und aktiv eigene Vorstellungen einbringen und auch umsetzen zu können."

Tipps für die Jobsuche und Bewerbung

Auch in Zeiten von Active Sourcing und Direkt Search sollten willige Jobsuchende und Jobwechsler selbst aktiv auf die Suche nach ihrem Traumjob gehen. Auf Jobbörsen finden ITler ein eigenes Cluster mit Stellenangeboten im IT-Umfeld.

Doch auch das Versenden von Initiativbewerbungen ist kein No-Go, sondern gerade für Spezialisten immer chancenreich, sagt Professor Wolfgang Jäger, Sprecher des Jobportals JobStairs: "Wer sich Zeit und Mühen sparen möchte, der sollte sich im Vorfeld am besten beim Unternehmen informieren, ob das Berufsfeld, auf das man sich bewerben möchte, aktuell gesucht wird oder direkt die Möglichkeit einer Online-Initiativbewerbung nutzen."

Die Chancen für eine Karriere in der IT stehen gut. Allerdings nur, wenn bei der Bewerbung keine Fehler unterlaufen, wie fehlende bedeutende Dokumente. Hier ist Sorgfalt gefragt. Wer sich bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen, so Jäger, keine Mühe gebe und Dokumente wie Arbeitszeugnisse oder relevante Zertifikate vergesse, laufe Gefahr, nicht in die engere Wahl gezogen zu werden. Die Bewerbung sei die erste Arbeitsprobe, die ein Bewerber bei einem Unternehmen einreiche und anhand derer seine Qualifikation beurteilt werde. (pg)