Umfrage

Spähskandale beeinflussen Meinungsbild zu Big Data

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Der persönliche und gesellschaftliche Nutzen ist entscheidend für das Pro oder Contra der Bevölkerung, wenn es ums Sammeln und Analysieren von Massendaten (Big Data) geht.

Liegt der Vorteil beim Bürger, ist Big Data willkommen - profitiert hingegen das Unternehmen, überwiegt die Ablehnung. Das zeigt der "Sicherheitsreport 2013" des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von T-Systems (PDF-Link). Speziell zu Big Data gab es eine Befragung im August und zu Beginn der Ausspähskandale. Der Vergleich belegt einer Mitteilung zufolge, dass die Enthüllungen der letzten Wochen die Haltung der Bevölkerung stark negativ beeinflusst haben.

Trotz dieses Trends haben sich im August 75 Prozent (Juni: 78 Prozent) immer noch aller Befragten dafür ausgesprochen, dass staatliche Stellen Telefon- und Internetdaten auswerten, um Straftaten aufzuklären. Eine deutliche Mehrheit befürwortet Big Data auch, wenn der Staat dadurch etwa den Bedarf an Kindergärten besser planen kann (64 Prozent im August nach 74 Prozent im Juni).

"Wir brauchen eine Kultur des Einverständnisses zwischen Unternehmen und Kunden", sagt T-Systems-Chef Reinhard Clemens.
"Wir brauchen eine Kultur des Einverständnisses zwischen Unternehmen und Kunden", sagt T-Systems-Chef Reinhard Clemens.
Foto: Telekom

Kritischer sehen die Befragten es aber schon, wenn Unternehmen Massendaten etwa aus sozialen Foren nutzen. Im August fiel das Ergebnis nur noch hauchdünn für Big Data aus: 50 Prozent stimmten zu und 49 Prozent lehnten ab, dass Pharmafirmen Beiträge in Diskussionsforen zum Erkennen bislang unbekannter Nebenwirkungen auswerten (im Juni waren noch 57 Prozent dafür und 42 Prozent dagegen).

Bei der Frage, ob Unternehmen Beiträge in Internetforen nutzen dürfen, um eigenen Produkte zu verbessern, drehte sich die Stimmung komplett: Im August waren 57 Prozent der Befragten dagegen (im Juni gab es noch 51 Prozent Zustimmung).

Auch das Argument, durch automatisches Speichern von Kundendaten den Einkaufsprozess zu vereinfachen, überzeugt nicht: Die Ablehnungsquote stieg hier auf 78 Prozent (im Juni 72 Prozent). Selbst die Mitglieder sozialer Netzwerke im Internet sprechen sich mit 58 Prozent mehrheitlich gegen das Aggregieren und Analysieren von Kundendaten aus. Nutzen Unternehmen die Daten ihrer Kunden, um so individuelle Empfehlungen machen zu können, stößt das bei 59 Prozent auf Ablehnung. Im August sahen nur 39 Prozent darin einen persönlichen Vorteil und befürworteten solche Angebote, in Juni waren es immerhin noch 47 Prozent.

"Wir brauchen eine Kultur des Einverständnisses zwischen Unternehmen und Kunden", kommentiert Telekom-Vorstand und T-Systems-Chef Reinhard Clemens. "Nur wenn es uns gelingt, die Chancen der Technik in echte Nutzen für die Menschen umzuwandeln, wird Big Data ein Erfolg."

Rund drei Viertel der Bürger fühlen sich als Kunden nicht ausreichend darüber informiert, ob Unternehmen ihre Daten speichern und wozu sie ihre Daten verwenden. Gefragt nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Apps, die sie auf Smartphones oder Tablets runterladen, lesen jedoch nur 22 Prozent vorher die AGB immer - eine offensichtliche Diskrepanz.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hatte im Juni 2013 im Auftrag von T-Systems einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren nach ihren Sorgen und Risiken befragt und dazu 1490 Interviews geführt. Im August folgte eine gezielte Nachfrage zum Thema Big Data bei 1550 Personen.