Space2go

Space2go: Raucher müssen draußen bleiben

28.06.2001
Von Christian Blees
Dunkler Teppich statt lichtdurchflutetes Loft. Schon rein äußerlich unterschiedet sich die Berliner Softwarefirma Space2go von einem typischen Startup.

Matthias Hirschfeld, einer der beiden Geschäftsführer der Berliner Softwareschmiede Space2go, ist ein toleranter und zuvorkommender Mensch, der seine Bürotür stets offen hält und für einen lockeren Spruch gut ist. Sobald es aber um das Thema Rauchen geht, hört für den 42-Jährigen der Spaß auf. ”Tabakqualm ist in unseren Räumen unerwünscht”, hat Hirschfeld gleich bei der Firmengründung im Frühjahr 1999 mit seinem Geschäftspartner Christian Huthmacher festgelegt.

Matthias Hirschfeld
Matthias Hirschfeld

”Den Geschmack von Freiheit und Abenteuer bieten wir auch ohne Zigaretten”, fügt er hinzu.

Um von etwaigen Nikotinliebhabern nicht als unsozial abgestempelt zu werden, verweist er auf einen einsamen Aschenbecher im Treppenhaus des modernen Bürogebäudes. Auf dem schmalen Absatz zwischen den Space2go-Abteilungen Softwareentwicklung in der vierten Etage sowie Customer Support, Vertrieb und Marketing im fünften Stockwerk soll durchaus auch die Raucherfraktion zu ihrem Recht kommen. Doch die scheint bei dem Anbieter von Software und Dienstleistungen für das mobile Internet ohnehin stark in der Minderzahl zu sein.

Überhaupt entsprechen die Arbeitsbedingungen bei Space2go gar nicht jenen Klischees, die man von vielen anderen Internet-Startups her kennt: Statt überquellender Aschenbecher, hektischer Betriebsamkeit und loftartigen Büroflächen geht es hier eher bieder zu. Die Eingangstür wird von einer Dame am Empfang geöffnet, der Konferenzraum ist nüchtern-funktional mit Flipchart und Beamer ausgestattet, und selbst aus den geöffneten Bürotüren dringen die Stimmen der rund 30 Festangestellten nur sehr gedämpft in den mit dunklem Teppichboden ausgelegten Flur. ”Rein äußerlich kommen wir tatsächlich eher konservativ rüber”, gibt Hirschfeld zu, ”zumal noch nicht einmal das allgemeine Duzen zur Unternehmenskultur gehört. Aber dafür sind unsere Produkte und Dienstleistungen umso spannender.”

So ermöglichen die Berliner Tüftler den Handy-Herstellern, Serviceprovidern und Betreibern von Portalseiten, durch ein ”Mobile Portal Framework” ihren Kunden benutzerfreundliche Dienste für Mobile Commerce bereitzustellen. Dazu gehört ein virtuelles Büro im Internet, das per Web, WAP, I-Mode oder über jedes andere Internet-fähige Gerät bedienbar ist.

Anwender können unterwegs auf ihren persönlichen Terminkalender, die Adressdatenbank, Bookmarks, E-Mails und eigene Dateien zugreifen. Dabei stehen die Dienste in mehreren Sprachen zur Verfügung. Das Hosting übernimmt entweder der Betreiber, der das ”Mobile Portal Framework” erworben hat, oder Space2go selbst. ”Inzwischen haben wir uns in der Fachwelt bereits als Marke etabliert”, sagt Geschäftsführer Hirschfeld stolz, ”deshalb klopfen allmählich auch immer mehr qualifizierte Kräfte bei uns an, um nach einem Job zu fragen.”

Doch dies sei nicht immer so gewesen: ”In den ersten Monaten hatten wir sehr viele Anfragen von Umschülern wie gelernten Traktorfahrern oder Bäckern. Und Bewerber mit Green Card aus dem Ausland zum Vorstellungsgespräch anreisen zu lassen können wir uns nicht leisten.” Der eine oder andere Quereinsteiger aus den Bereichen Elektrotechnik oder Physik ist bei Space2go gelandet, doch besonders gern sehe man Informatiker und Fachhochschulabsolventen mit DV-nahen Abschlüssen. Java-Entwickler, die eine Begeisterung für das mobile Internet mitbringen, können sofort bei uns anfangen”, wirbt Hirschfeld.

Auch Web-Entwickler mit Kenntnissen in Scripting-Sprachen sowie Datenbankexperten dürfen nach Aussage des Geschäftsführers ”lieber heute als morgen anfangen und sich auf einen eigenverantwortlich zu gestaltenden Arbeitsplatz gefasst machen”. Letzteres gelte im Übrigen generell für den gesamten Bereich der Entwicklung, wo jede Idee willkommen sei und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werde.

Belohnt wird die Kreativität der Mitarbeiter, deren Altersschnitt derzeit bei Mitte 20 liegt, mit 28 Tagen Urlaub sowie einem regelmäßig stattfindenden Essen, zu dem die Geschäftsleitung jeweils die gesamte Belegschaft einlädt - je nach Arbeitsaufkommen in einem Restaurant oder auch schon mal in Form eines angelieferten Buffets. Während ein Java-Entwickler ohne Berufserfahrung mit einem Einstiegsgehalt zwischen 75 000 und 85 000 Mark rechnen kann, müssen sich Fortbildungswillige bei Space2go auf harte Zeiten einstellen: ”Wenn die Technologien, mit denen wir arbeiten, als allgemeine Fortbildungsmaßnahmen angeboten würden, könnten wir gleich einpacken.

Wir leben ja gerade davon, die Entwicklung im Technik- und Softwarebereich voranzutreiben”, liefert der Space2go-Chef die Begründung. Da mag es immerhin tröstlich erscheinen, dass selbst Fremdsprachenmuffel die Zukunft des mobilen Internet mitgestalten dürfen. So sind lediglich Grundkenntnisse in Englisch gefragt, um im Zweifelsfall auch einmal mit einem ausländischen Geschäftspartner die nötigsten Dinge klären zu können. Keine Diskussionen duldet Hirschfeld indes, wenn mit den beiden Computermessen CeBIT und Systems die beiden wichtigsten Präsentationstermine des Jahres anstehen: “Da bricht im Vorfeld schon mal Hektik aus, und es muss rangeklotzt werden.”

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